Full text: Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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teil als dem Vollender und Ausführer der Wissenschaft, 
sondern als dem Vollbringer der höchsten Kunst, die es 
gibt, dem gesellschaftlichen Wohl zu dienen. Sehr schön 
drückt diesen Gedanken Ernst Zittelmann aus 1 ): „Der 
geniale Gesetzgeber ist der, der die wahren Werte der 
Kultur zu finden und zu schätzen weiß; darum preisen 
ihn auch die Sagen und Lieder der alten Völker und so 
groß und so wunderbar erscheint ihrer frühen Fantasie 
seine Kunst, daß sie aus irdischem Ursprünge sie nicht 
mehr zu erklären wissen; ihre großen Gesetzgeber lassen 
sie von Göttern stammen oder doch Rat von ihnen emp 
fangen.“ Adam Smith, dem seine Gegner so gerne nachsagen, 
daß er die staatliche Gesetzgebung für nahezu überflüssig 
erklärt habe, vertritt trotzdem die Meinung: „Die Einsetzung 
von Gesetz und Regierung ist das höchste Werk der mensch 
lichen Klugheit und Weisheit“, „der größte und edelste 
Charakter ist derjenige eines Reformators und Gesetz 
gebers eines großen Staates 1 2 ).“ Heutzutage kommt noch 
für den Staatsmann, der Erfolg haben will, die Kunst hin 
zu, im „Spiel auf dem Instrument der Parlamente und der 
öffentlichen Meinung“ kein Stümper zu sein 3 ). 
Praktische Wirtschafts-Politik ist wie alle praktische 
Politik keine Wissenschaft, sondern eine Kunst und sobald 
das Gebiet der Politik betreten ist, muß mehr wie irgend 
ein anderer der Volkswirtschaftslehrer sich vollkommen klar 
1) Die Kunst der Gesetzgebung (Neue Zeit- und Streitfragen, 
herausgegeben von der Gehestiftung) 1904, S. 8. 
2) Vergl. Onken, „Das Adam Smith-Problem“, Zeitschrift für Soziai- 
wissenschaft, Bd. I S. 280. 
3) Mit Recht meint Schmoller, daß z. B. Gladstone und Miquel 
mit ihren Reformen nicht so viel Erfolg gehabt haben würden wenn 
>,Virtuosen“ in diesem Spiel gewesen seien. Skizze einer Finanz 
geschichte, Sonderabdruck aus SCMOLLERS Jahrbuch, 1909 S. 61.
	        
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