Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

772 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Art der Kriegsführung auf die Dauer zu halten? Er ver— 
hehlte sich nicht, daß dies unmöglich sei. Seine Feinde, ins— 
besondere die Österreicher, machten militärische Fortschritte; 
seine finanziellen Hilfsmittel schwanden reißend dahin; und 
schon wurde es ihm schwer, die gelichteten Scharen seiner 
Heere zu ergänzen. Denn am Ende rekrutierten sich die Sol— 
daten der feindlichen Armeen aus einer Bevölkerung von 
90 Millionen Seelen, während ihm zur Rekrutierung nur 
5 Millionen zur Verfügung standen. Nun ließ sich freilich 
der Aushebungsrayon erweitern; der König rekrutierte zwangs— 
weise aus Sachsen, Anhalt, Schwedisch-Pommern, Mecklenburg; 
er kleidete österreichische Gefangene ein; er ließ Freikorps zu; 
er entsandte schließlich seine Werber über ganz Deutschland. 
Dennoch nahm die Stärke und noch mehr die Güte seiner 
Heere ab. Und war eme erfolgreiche Werbung nicht doch vor 
allem von dem Stande der Finanzen abhängig? Hier aber waren 
die von Friedrich Wilhelm J. aufgehäuften Schätze von mehr 
als 10 Millionen Talern schon nach dem zweiten schlesischen 
Kriege dahin gewesen und hatten erneute Ersparnisse nur noch 
in die ersten Zeiten des neuen Krieges hineingereicht; und 
schon im Jahre 1758 hatte der König, um sich über Wasser 
zu halten, zu Mitteln gegriffen, die den Kredit Preußens 
alsbald aufs schwerste schädigen und nach kurzer Frist ver— 
nichten mußten. Die englischen Hilfsgelder in der Höhe von 
4 Millionen Talern waren in 11 Millionen zu leichte Taler 
umgeprägt worden; es war die Zeit der Ephraimiten, des von 
den Berliner Juden Itzig und Ephraim zu leicht ausgemünzten 
Geldes sächsischen, mecklenburgischen und anderen Gepräges, 
von dem schließlich 20 Taler auf einen Louisdor gegangen 
sind. Zudem schloß Friedrich mit kleinen falschmünzenden 
deutschen Fürsten Verträge und gab ihrem Gelde gegen Provision 
in Preußen Zwangskurs. Gleichwohl hörte seit 1759 in Preußen 
die Barzahlung für Zivilausgaben und Zivilbesoldungen auf; statt 
dessen wurde mit Kassenscheinen gezahlt, die schließlich auf ein 
Fünftel des Nennwertes hinuntersanken. Es war ein maskierter 
Staatsbankrott, dessen schlimme Folgen nach Möglichkeit auf
	        
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