Full text: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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dustriellen Westdeutschland, da sein Bestreben nach transatlan 
tischem direkten Verkehr diesem zugleich bessere Ausfuhrmöglich- 
keiten darzubieten schien, gernäfs der bisherigen Duckwitzschen 
Politik 1 ). Agrarisch hatte der Freihandel die besten Bedingungen 
in dem ostdeutschen Großgrundbesitz, seitdem die Agraremanzipation, 
die das Untereigentum durch Beseitigung der Landesherr ge 
wordenen Ritterschaften und Kleinsouveräne im Südwesten, der 
Meierechte im Nordwesten, im Nordosten das Obereigentum zur 
Geltung brachte 2 ), vom alten sozialen und politischen Recht zum 
Privatrecht des neunzehnten Jahrhunderts, dem Tanzboden für die 
des Hdlsstds. entw. Zolltarif f. d. ver. Dtschl., abgedr. a. d. Yerhdl. des oldenb. 
Gew.- und Handelsv., Oldenburg 1849, S. 43. Vgl. i. üb. die Streitschriften. 
*) Die Augsburger Handelskammer schreibt am 9. Febr. 1847; „Auch 
die Frage, ob zu erwarten stünde, dafs mit der Zunahme des Bezugs über 
Bremen auch der Absatz süddeutscher und schweizerischer Producte dorthin 
steigen würde, glauben Wir bejahen zu müssen. Der Bremer Seehandel ist 
wesentlich auf Gegenseitigkeit des Absatzes berechnet, ein Eigenhandel, 
meistens von den überseeischen hanseatischen Etablissements aus geleitet. Für 
alle seine Bezüge an Colonialen und dergleichen Artikeln setzt Bremen deutsche 
Erzeugnisse in die Erzeugungsländer ab und zeichnet sich dadurch sowohl 
eines Theils vor Holland, anderntheils auch vor Hamburg vortheilhaft aus. 
Während die Bilanz des vereinsländischen Verkehrs mit Holland jährlich ein 
grofses Deficit zum Nachtheile Deutschlands zeigt, ein natürliches Ergebnifs, da 
Holland, auch wenn es den Export deutscher Stoffe nach seinen Colonien 
begünstigte, durch sein Erpressungssystem dieselben in solcher Armut hält, 
dafs sie nur geringe Quantitäten deutscher Manufacte consumiren könnten, 
und während Hamburg auf der andern Seite einen Theil seiner überseeischen 
Bezüge aus europäischen Zwischenhandelshäfen macht, für die kein Wieder 
absatz an deutschen Producten stattflndet, hat Bremen das Verdienst, einen 
Verkehr gepflegt zu haben, der dem deutschen Gewerbsinteresse der vortheil- 
hafteste ist. So gewifs, als der deutschen Industrie nur aus dem directen 
Verkehr mit den transatlantischen Staaten ein dauernder greiser Gewinn zu- 
fiiefsen kann, ebenso gewifs verdient Bremen als deutscher Seehandelsplatz 
alle Begünstigung und Förderung, denn sein ganzer Seehandel ist mit wenigen 
Ausnahmen auf directe Beziehungen begründet.“ (Papiere des verstorbenen 
Herrn Bürgermeisters A. Duckwitz im Besitz von Herrn Ferd. Duckwitz in 
Bremen.) Auch von der Gegenseite wird Bremen der Vorwurf gemacht, dafs 
es um des direkten Banmwollhandels willen den Freihandel verrate. (Vgl. die 
Broschüren.) Die sächsischen Weber gingen in der Twistfrage mit Hamburg. 
2 ) Vgl. Carl Johannes Fuchs, Die Epochen der deutschen Agrar 
geschichte und Agrarpolitik, Jena 1898 (ohne Literaturangaben Beilage zur 
Allg. Zeitung 1898, 29. u. 30. März Nr. 70 u, 71; seine agrarhistorischen 
Artikel in Elsters Wörterbuch der Volkswirtschaft; Literatur in des 
selben Grundprobleme der deutschen Agrarpolitik in der Gegenwart, Jahr 
buch der Gehe-Stiftung, VIII. Bd., 6. Heft, Dresden 1902, S. 44 ff. (ferner zur 
Aufstellung des heutigen Agrarproblems und Lösungsversuchen).
	        
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