fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

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dem Roggen schlagend hervortritt, daß sich das Verhältnis im Laufe 
der Zeit für den Landwirt nicht verschlechtert, sondern im Gegenteile 
erheblich verbessert hat, Von 1816/65 war die Preisdifferenz zwischen 
den höchsten und niedrigsten Sätzen 8,1%, neuerdings nur 3,6 % und 
noch geringer gerade bei den Ultimopreisen, Ferner ist in den Pro- 
vinzialstädten die Verschiebung zu ungunsten der Landwirte weit 
größer als in Berlin, und bei dem Hafer stärker als bei dem Brotgetreide, 
also gerade da, wo der Terminhandel keine Rolle spielt. Von 1888 
bis 1893 kostete der Weizen: 
in Gnesen im I. Qu. 179,3, im IV. Qu. 188,7 Mk., Differ. 9,4 Mk, 
in Insterburg » m» 1793, 194,7 » 15,4 
Der Roggen in Gnesen „ „ 15538, 1588 n 26 
» ” in Insterburg „ „ 155,3, 160,3 % 5 
Der Hafer von 1883—93 
im preußischen Staate „ „ 1400, „ 151,0 » 10,0 
in Ostpreußen » ww 1268, 1383 m 13,0 
Die graphische Darstellung (s. Beiblatt) läßt nun erkennen, wie die 
Weizenpreise, besonders zwischen Berlin und London, aber auch zwischen 
Wien und Mannheim, Hand in Hand gehen. Die Linien zeigen den 
gleichen Gang, nur daß bald der eine, bald der andere Ort zuerst 
eine Veränderung zeigt, welche in kurzer Zeit die Einwirkung auf 
die andere Börse und Nachfolge des Preises beobachten läßt. Die Zoll- 
erhöhung Ende der 80er Jahre, die Ermäßigung im Jahre 1891 sind 
durch das Auseinander- und Zusammengehen: der Linien klar zu er- 
kennen, Im übrigen verfolgen sie gemeinsam denselben Weg. Wohl 
läßt sich von Tag zu Tag, auch wohl von Woche zu Woche, mitunter, 
wenn auch nur ganz ausnahmsweise selbst von Monat zu Monat ein 
selbstständiges Vorgehen eines Börsenplatzes erkennen, dann aber hat 
er sich dem Einfluß des Weltmarktes zu fügen. Es ergiebt. sich, daß 
alle Plätze demselben Einfluß unterworfen sind, dem Verhältnis von 
Angebot zu Nachfrage im Weltverkehre. Die einzelne Börse vermag 
wohl momentane Schwankungen herbeizuführen, und diese sind un- 
zweifelhaft durch den Terminhandel vergrößert, sie haben sich auf die 
Dauer aber dem Einfluß der thatsächlichen Verhältnisse zu fügen. 
Wenn nun die Untersuchungen von Cohn außerdem ergeben 
haben, daß die Vorausbestimmung der Preise durch den Terminhandel 
allmählich immer korrekter geworden ist, so kann man sich schwer- 
lich dem Schluß entziehen, daß in dem Terminhandel ein Mittel sich 
ausgebildet hat, die Monatspreise mehr und mehr den thatsächlichen 
Verhältnissen anzupassen. Wie aber das Zünglein um so leichter 
bald nach der einen, bald nach der anderen Seite abweicht, je feiner 
die Wage ist, so müssen innerhalb kürzerer Fristen die Schwankungen 
auch durch den Terminhandel größer sein als ohne denselben. 
& 69. 
Gefahren der Börse. 
Nachdem wir so die Vorteile, ja die unbedingte Notwendigkeit 
der Börse und der Börsengeschäfte darzulegen versucht haben, ist es 
nun unsere Aufgabe, auch die Schattenseiten und Gefahren derselben 
zu charakterisieren, die in der neueren Zeit mehr und mehr hervor- 
getreten sind und dazu geführt haben, daß man die Börse als den 
„Giftbaum“ bezeichnet hat, der das wirtschaftliche Leben vergiftet 
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