fullscreen: Das Hotel- und Gastgewerbe

DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE ORGANISIERUNG 5393 
pherie zu verlegen. Dann hat der Engländer niemals so fieber- 
haft mit 12—14stündiger Dauer gearbeitet, wie es besonders 
in Deutschland nach 1870, aber auch in manchem anderen 
Lande Sitte geworden war. Bevor die soziale Gesetzgebung ein- 
griff, war es zum Beispiel in Deutschland keine Seltenheit, daß 
Ladengeschäfte usw. bis in die Nacht hinein geöffnet blieben, 
und daß auch der Sonntag das gleiche Bild reger geschäftlicher 
Tätigkeit zeigte. Dem übertrieben arbeitsfreudigen kontinen- 
talen Sonntag stand der englische „stille Sonntag‘ gegenüber, 
der dem Londoner keinerlei Zerstreuung und Vergnügen bot. 
Die fand er nur in seinen ebenfalls echt englischen Einrich- 
tungen, den Tausenden von Privatklubs und im Week-end. Am 
Week-end führten zahlreiche Eisenbahnzüge den Londoner 
und die Bewohner anderer Städte ans Gestade des Meeres oder 
an die zahlreichen, schön gelegenen Sportplätze. Das Week- 
end begann vielfach schon am Freitag abend und endete erst 
am Montag morgen. Die ausgezeichneten Bahnverbindungen 
und die mit rasender Schnelligkeit fahrenden Züge ermöglichten 
es dem britischen Großstädter, allwöchentlich zwei volle Tage 
auszuspannen. Heute ist der Week-end-Verkehr in England so 
großzügig ausgebaut, daß jeder Engländer sein Week-end an 
einem anderen Punkt des Inselreiches verleben kann. Niedrige 
Week-end-Preise der Bahn, wobei oft volle Verpflegung wäh- 
rend der Fahrt inbegriffen ist, ermöglichen es auch dem Manne 
ınd der Frau mit bescheidenem Einkommen, sein beziehungs- 
weise ihr Week-end in Schönheit zu genießen. Der Week-end- 
Fahrer findet vielfach bei der Ausfahrt am Samstag früh im 
Zuge Gelegenheit, sein Frühstück einzunehmen, und bei der 
Heimfahrt wird ihm abends ebenfalls Verpflegungsgelegenheit 
geboten. 
Aus dieser kurzen Beschreibung ist schon zu erkennen, daß 
ein kontinentales Wochenende auf ganz anderen Voraus- 
setzungen aufgebaut werden müßte als das Week-end des Eng- 
länders. Die in ganz Europa zu spürenden Folgen des Welt- 
krieges, die daraus resultierenden wirtschaftlichen Verhältnisse 
zwingen zu intensivster Arbeit. Für das kontinentale Wochen- 
ende kann im günstigsten Falle nur die zweite Hälfte des Sonn- 
abends, von 1 bis 3 Uhr nachmittags an, in Frage kommen und 
der ganze Sonntag. Auf diese Besonderheiten muß der Wochen- 
endverkehr auf dem Kontinent von vornherein zugeschnitten 
werden. Nur über eines kann keinerlei Zweifel bestehen: daß
	        
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