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Futtermittel.
schwierig; um eine kohlefreie Asche zu erhalten, muli man die S. 194 unter 2a
angegebenen Hilfsmittel benutzen.
i. Spezifisches Gewicht. Es wird wie bei Kartoffeln ermittelt (vergl. „Spiritus
fabrikation“).
Man hat aus dem spezifischen Gewicht der Hüben, ähnlich wie hei Kartoffeln,
auf deren Gehalt an Trockensubstanz geschlossen, indes besitzen diese Angaben
nicht die Genauigkeit wie hei Kartoffeln.
Für die Untersuchung der Kartoffeln und Zuckerrüben zu technischen
Zwecken gelten noch besondere Vorschriften, welche hei Zucker- und Spiritus-
hersteilung näher beschrieben werden.
VII. Ölsamen.
Die Ölsamen lassen sich wegen ihres großen Fettgehaltes durchweg nicht
mit der Schrotmühle zerkleinern; sie müssen in einem geriffelten eisernen Mörser
tunlichst fein zerquetscht und verrieben werden, was wegen der Geschmeidigkeit
der Samen sehr leicht gelingt. Die Untersuchung dieser fetthaltigen Masse geschieht,
wie unter A (S. 208—251) angegeben ist. Es bleibt nur noch folgendes zu beachten:
1. Für die Fettbestimmung füllt man die zerquetschte Masse (5 g) wie
sonst in die Papierhülse, setzt diese für sich allein in ein Porzellanschälchen,
trocknet 1—2 Stunden bei 90—100° und spült, falls Fett in das Schälchen ein
gedrungen sein sollte, dieses mit Äther in den Heberextraktionsapparat hezw. in
das Kölbchen und zieht wie sonst 3—4 Stunden aus. Dann nimmt man die Hülse
mit dem entfetteten Rückstand heraus, gibt letzteren tunlichst vollständig in einen
eisernen Mörser, zerkleinert sorgfältig und zieht von neuem 2—3 Stunden aus.
Unter Umständen empfiehlt es sich, die tunlichst zerquetschte und verriebene
Masse (5 g) mit geglühtem Sand (etwa 20 g) im Mörser innig zu verreiben, letzteres
Gemisch in die Hülse zu bringen und auszuziehen; dabei muß die Schale wieder
holt mit Äther ausgespült und letzterer in den Extraktionsapparat gebracht werden.
M. Lehmann 1 ) hat für den Zweck eine kleine Extraktionsmühle 2 ) her
gestellt, welche genügend fein mahlt und so klein ist, daß sie mit dem Mahlgut in
den Soxhletschen Apparat eingefügt werden kann.
Man hat für die Technik auch besondere sog. „Oleometer“ zur Fett-
hestimmung angefertigt, von denen das vonVohl am weitesten verbreitet ist. Der
Extraktionsapparat ist dem Soxhletschen Heberextraktionsapparat durchaus ähnlich;
als Extraktionsmittel wird Kanadol, ein zwischen 37—50° siedendes Destillations
erzeugnis des Petroleums, verwendet und das ausgezogene Fett nach Verdampfen des
Kanadols nicht gewogen, sondern es wird, wie hei der Soxhletschen Milchfett-
Bestimmung, das spezifische Gewicht des Kanadolauszuges ermittelt und daraus auf
den Gehalt an öl bezw. Fett geschlossen. Vohl hat zu dem Zweck besondere
Tabellen für Rüböl, Leinöl, Hanföl, Mohnöl usw. berechnet, aus denen man den dem
spezifischen Gewicht entsprechenden Fettgehalt ablesen kann.
2. Ranzigkeit der Fette (freie Fettsäuren); hierüber vergl. unter Fett
bestimmung (S. 223).
3. Für die Bestimmung der Rohfaser, der Stärke und der in Wasser löslichen
Stoffe sind die zerquetschten und zerriebenen ölsamen vorher mit heißem Alkohol
und Äther auszuziehen und dann erst weiter zu behandeln; dabei nimmt man von
der ursprünglichen gut gemischten Substanz je nach dem Fettgehalt der Samen die
') Chem.-Zeituug 1894, 18, 412.
2 ) Zu beziehen von Max Kahler und Martini in Berlin W.