Full text : Bankpolitik (2.1930)

mocht. Im Gegenteil! Bereits 1847 war in England eine Handelskrisis
ausgebrochen. Ihre Ursachen hatte sie hauptsächlich in der schlechten
Getreide- und Kartoffelernte, sowie in der ungesunden Spekulation in
Eisenbahnaktien und Ländereien. Dies, sowie der hohe Preis der Baumwolle,
 verursachten einen starken Goldabfluß aus der Bank von England.
Obgleich die Anzeichen einer herannahenden Krisis bereits am Ende des Jahres
1846 deutlich bemerkbar waren, hatte die Bank, die an eine Krisis nicht glaubte,
Anfang Januar noch einen Diskontsatz von 3%. Am 14. Januar erhöhte sie ihn auf
81/2, am 21. Januar auf 4, und, als die Kreditgesuche immer dringender wurden, am
8. April auf 5%, An diesem Tage hatte die Bank eine Notenreserve von nur noch
21/2 Millionen £, während etwa 20 Millionen £ das Normale waren. In den Kellern
der Bank lagen zwar noch 10 Millionen £ Gold, die aber durften, da sie als Notendeckung
 dienten, nicht angetastet werden. Als die Lage der Bank sich dauernd weiter
verschlechtert hatte und die Notenreserve auf 11/2 Millionen £ herabgegangen war,
suchte die Bank am 23. Oktober die Hilfe der Regierung nach. Diese suspendierte
zwei Tage später die Peels Act, soweit sie die Notenausgabe beschränkte. Die Bank
durfte jetzt ohne entsprechende Golddeckung Noten ausgeben und diese benutzen, um
unbegrenzt weitere Diskontierungen (jedoch nicht unter 8 %/g) vorzunehmen und Lombarddarlehen
 zu gewähren. Diese Maßregel der Regierung wirkte so beruhigend, daß
die Bank bereits am 2%. November ihren Diskontsatz wieder auf 7, am 2. Dezember
auf 6, am 23. Dezember auf 5 und 5 Wochen später auf 4°%9 ermäßigen konnte,
Die Suspension der Peels Act für die Zeit vom 25. Oktober bis 23. November
1847 war ein Aufgeben der bei Erlaß des Gesetzes für richtig befundenen Prinzipien.
Von allen Seiten erfolgten jetzt Einwendungen, Die wesentlichen faßt Soetbeer!)
in folgender Weise zusammen: 1, Durch die Verpflichtung der Bank, für alles bei ihr
eingebrachte Gold Banknoten auszugeben, und durch sonstige Neuerungen in der
Verwaltung sei künstlich ein Überfluß von Gold und ein niedriger Zinsfuß herbeigeführt
 worden, der übermäßige Spekulation nicht beschränkt, sondern befördert habe.
2. Durch die Peels Act werde die gelegentliche Ausdehnung der Notenzirkulation, die
durch ein vorübergehendes Bedürfnis des einheimischen Verkehrs so häufig verlangt
würde, zum Nachteil des Publikums prinzipiell behindert, wenn sie auch sonst nach
Lage der Umstände ganz unbedenklich und nur wohltätig wirke. So sei z. B. zwischen
dem 13. März und 24. April 1847 an Gold 2237200 £ ausgeführt und die Notenzirkulation
 sofort um diesen Betrag vermindert worden; zu gleicher Zeit habe die
Regierung etwa 3500000 £ von der Bank geliehen, und diese habe ihre Wechseldiskontierung
 um diesen Betrag eingeschränkt. Hierdurch sei unnötigerweise eine
temporäre Geldklemme herbeigeführt worden; wäre die neue Bankakte nicht gewesen,
so hätte die Bank es nicht nötig gehabt, die Notenzirkulation plötzlich zu vermindern
und die Diskontierung einzuschränken, Der Mißkredit im Frühling des Jahres 1847
sei daher hauptsächlich eine Folge der durch die Bankakte verursachten temporären
 Beschränkung des Geldmarktes gewesen, nicht umgekehrt die Geldklemme
eine Folge des Mißkredits.
1) Beiträge und Materialien zur Beurteilung von Geld- und Bankfragen. Hamburg
 1855.

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