Full text : Bankpolitik (2.1930)

'hre Geschäfte betrieben. Man verstand ferner auch darunter ihr Zelt, ihr
Geschäftslokal.
Für den hohen Grad der Entwickelung des griechischen Bankwesens
zeugt die weitgehende Arbeitsteilung: Neben den Trapeziten finden wir
noch eine zweite und eine dritte Kategorie von Bankiers, die doyvo«-worßol
 und die Sayeıoral. Die aoyvoamuorßot, auch xolivßiorar oder
kapemoTal genannt — abgeleitet von xdAlvßos bzw. xggu@ = Kleine
Münze — besorgten das Münzwechselgeschäft. Die Baveıoral, die auch
den Namen roxwor«d oder yonored hatten, gewährten Darlehen gegen
Unterpfand und beteiligten sich an industriellen Unternehmungen. Da
sie sehr hohe Zinsen nahmen, wurden sie oft verspottet und mißachtet.
Wenn es einzelnen Bankiers, wie z. B. dem Pasion in Athen, gelungen
war, sich hohes Ansehen zu verschaffen und großes Vertrauen zu genießen,
 so waren dies Ausnahmen, bedingt durch die Individualität und
die Macht des Kapitals.
Ob es Staatsbanken im alten Griechenland gegeben hat, ist nicht sicher
festzustellen. Auf sehr schwachen Füßen steht auch die Behauptung von
Chastenet1), daß die alten Griechen einen lebhaften Scheckverkehr gehabt
haben. Das aus der Zeit von 223-—192 vor Chr. aus Thespiä in Böotien
stammende, als Beweis hierfür angeführte Dokument ?) lautet:
„Am ...... hat bei der Bank des Pistokles der Kämmerer von Örchomenos,
Polioukritos, der Nikareta zuschreiben lassen die für die verfallene und liquide
Schuld vereinbarte Summe von 18 8383 Drachmen Silber.‘

Daß derartige Umschreibungen häufig waren, geht daraus hervor, daß
dıxyocgpam (umschreiben) die Bedeutung von zahlen erhalten hat. Ich
stimme aber mit Conrad?) darin überein, daß diese Umschreibungen
noch nicht auf einen Scheckverkehr schließen lassen.
Ägypten hatte, wie zahlreiche Funde von Giroanweisungen und
Schecks beweisen, frühzeitig einen Giroverkehr, Allgemeines Zahlungsmittel
 war Korn; in Korn zahlte der Untertan seine Steuern an die
staatlichen Speicher, der zu einer allgemeinen Verrechnungsstelle wurde.
Als Alexander der Große den nördlichen Teil Ägyptens erobert hatte,
soll er in zahlreichen Orten „königliche Banken“ errichtet und mit deren
Leitung meist Griechen betraut haben.
1) Etudes sur les banques romaines. Paris 1892,
2?) S. Goldschmidt, Zeitschrift für Rechtsgeschichte XXI, S. 365.
3) W. Conrad, Handbuch des deutschen Scheckverkehrs, Stuttgart 1908, S. 3.
            
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