Full text : Bankpolitik (2.1930)

3, TEIL,

ALLGEMEINE FRAGEN DER N OTENBANK-POLITIK.

I, Notenpolitik,
1. Wesen der Banknoten und Systeme der Notendeckung.
Der Zahlungsmittelbedarf ist elastisch. Daher ist es die wichtigste Aufgabe
 einer jeden Zentralnotenbank, den Geld- und Zahlungsverkehr zu
regeln, d. h. den Geldumlauf den jeweiligen Bedürfnissen anzupassen.
Dies erreicht sie durch diejenige Operation, die ihr das charakteristische
Gepräge verleiht, die Notenausgab e, denn für bloßes Metallgeld ist
der Zahlungsmittelbedarf zu groß,
Eine Würdigung der Funktionen, der Bedeutung und des Wesens der
Banknoten finden wir zuerst bei Adam Smith (Wealth of Nations) :
Gold- und Silbermünzen, die in einem Lande zirkulieren, und durch die
die Produktion jährlich in Umlauf gebracht und an die Konsumenten
verteilt wird, sind ebenso wie das Kapital, das ein Händler unbeschäftigt
in barem Gelde liegen hat, totes Kapital (dead stock). Wird durch geschickte
 Operationen an Stelle der Gold- und Silbermünzen Papiergeld
gebracht, so kann das Land dadurch einen großen Teil seines toten Kapitals
 in tätiges und produktives verwandeln. Smith vergleicht das im
Lande umlaufende Gold- und Silbergeld mit einer Landstraße, „auf der
alles Futter und Korn des Landes zum Markt gebracht wird, während auf
ihr selbst nicht eine Faser davon wächst. Die Banknotenemission schafft
aber eine Art von Fahrweg durch die Luft und macht es dem Lande möglich,
 einen großen Teil seiner Landstraßen in fruchtbare Weiden und
Kornfelder zu verwandeln und dadurch den jährlichen Ertrag von Land
und Arbeit beträchtlich zu erhöhen.“ .
Smiths Schüler, David Ricar do, ‚der, 'aus der Bankpraxis kommend,
 sich ganz der Wissenschaft gewidmet hatte und, durch die Zeitverhältnisse
 hierzu veranlaßt, speziell dem Geld- und Banknoten-Problem
seine: Aufmerksamkeit schenkte, sagte: Geld ist eine: Ware, deren Wert

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