Full text : Bankpolitik (2.1930)

sucht der Staat bei Privilegserneuerung Nutzen zu ziehen, d. h. er läßt
sich das Privileg nochmals in irgendeiner Form bezahlen. —

Findet, wie in England, eine vollkommene Trennung zwischen Bankund
 Emissionsabteilung statt, so brauchen für die Bankabteilung nicht
so strenge Vorschriften zu bestehen. Hankey, ein ehemaliger Direktor
der Bank von England, sagt in seinem Werke über dieses Institut, daß die
leitenden Prinzipien der Direktoren der Bank von England die gleichen,
wie die jeder anderen gut geleiteten englischen Bank seien, und neuerdings
 ist dies von den Direktoren der Bank von England öfters wiederholt
 worden. Wie zu Bagehots Zeiten, so ist auch heute ein natürlicher
Wunsch der Direktoren, eine möglichst hohe Dividende auszuschütten.
Für die deutschen Privatnotenbanken war die Notenausgabe ein „Geschäft“.
 Das Streben, dieses Privileg nach Möglichkeit auszunutzen und
dabei möglichst viel zu verdienen, war ihr Leitmotiv. Rücksichten auf
das Allgemeinwohl kamen für sie nicht in Betracht. Anders die Zentralnotenbank:
 wie jeder Gewerbebetrieb, soll sie natürlich auch einen Gewinn
 abwerfen. Aber dieser ist nicht Ziel und Zweck ihrer Tätigkeit.
Die Art und die Höhe der Notenausgabe wird diktiert oder sollte diktiert
werden durch Rücksichten auf das allgemeine Wohl.
Bei den meisten Zentralnotenbanken der Welt haben die Anteilseigner
keinen Einfluß auf die Leitung des Instituts, und selbst wenn sie ihn besäßen,
 würde es ihnen nichts nützen, da die Geschäfte durch Gesetz und
Statut fest umgrenzt sind.

In der Geschichte des Notenbankwesens wird das erste auf den Weltkrieg
 folgende Jahrfünft immer als warnendes Beispiel vor Augen stehen, Während
die französischen Assignaten, auf die man früher immer als Beispiel
schlechter Wirtschaft hingewiesen hatte, zur Zeit ihrer größten Entwertung (1796)
nur auf !/sog ihrer Nominalgeltung zusammengeschrumpft waren, betrug der Divisor
beim russischen Rubel (1924) 50 Milliarden, bei der deutschen Mark
(1928) 1 Billion, Der früheren territorialen Beschränkung stand jetzt der ausgesprochen
 internationale Charakter der Geldentwertung gegenüber !).
Unter allen Geldgebern haben die Zentralnotenbanken den größten
Einfluß auf den Diskontmarkt, weil sie durch Ausgabe fiduziären Geldes
und große Beträge von Depositengeldern in hohem Maße als Käufer von
Diskonten in Betracht kommen. Je mehr das der Fall ist, desto größere

1) 8. A. Lansburgh, Art. Banken, Ergänzungsband des Handwörterbuch der
Staatswissenschaften. Jena 1929.

DARA
            
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