Full text : Bankpolitik (2.1930)

zur Befriedigung des industriellen Bedarfs verkaufte sie eine Zeitlang
auch Goldplättchen, die in bezug auf Form, Gewicht und Feingehalt
len 20-Mark-Stücken entsprachen.
Goldexporte erschwert das englische Zentralnoteninstitut, indem es
die Wechsel der in London domizilierten Auslandsbanken nicht diskontiert
 und dadurch Finanzoperationen verhütet, die die Wechselkurse zuangunsten
 Englands verschieben könnten, Betr. Goldankäufe und -verkäufe
 der Bank von England s. Band I S. 270,
Die Bank von Fran kreich schützte ihre Goldbestände oft durch
Erhebung einer „Prämie“: Wer größere Beträge entnahm und mit der
Zahlung in Noten der Bank oder silbernen 5-Franken-Stücken nicht einverstanden
 war, mußte eine zwischen 2 und 10%, schwankende Prämie
entrichten. Die Wirkung dieser Prämie ist in früheren Jahren nicht nur
in Frankreich, sondern auch in Deutschland stark überschätzt worden.
Helfferich, Heyn, Rosendorff u. a. haben an Beispielen nachgewiesen, daß
die Goldprämie allein nie imstande ist, den Goldexport und die dadurch
notwendigen Diskonterhöhungen zu verhindern. Mit Rosendorff vertrete
 ich die Ansicht: Entweder wird das benötigte Gold dem Verkehr entnommen
 und dadurch eine Lücke hervorgerufen, die die Zentralbank
früher oder später wieder ausfüllen muß, oder aber die Prämie überträgt
zich auf die Wechselkurse, da die Kosten der Goldversendung nach dem
Auslande sich um den Betrag der Prämie erhöhen. In diesem Falle müßte
sie also von denen getragen werden, die Waren aus dem Auslande beziehen.
 Ihre Wirkung ist mithin die gleiche, wie die einer Diskonterhöhung,
 d. h. sie verteuert die Preise, ohne jedoch imstande zu sein,
auch die günstigen Wirkungen der Diskonterhöhung herbeizuführen. Ihren
hohen Goldvorrat verdankt die Bank weniger ihrer Prämienpolitik, als
anderen Ursachen: der geringen Entwicklung der Industrie, der Vorliebe
Jer Franzosen für Banknoten usw.
Sehen wir, wie die Bank von Frankreich selbst über ihr Prämiensystem urteilt. Im
Jahresbericht für 1896 heißt es: „...die Bank konnte, dank unseres Währungsaystems,
 das ihr gestattet, beliebig in Gold oder in Silber zu zahlen, die Goldausgänge
auf das für die legitimen Bedürfnisse des internationalen Handels wirklich Notwendige
 reduzieren. Die defensive Goldprämie hat wieder einmal ihre Wirksamkeit
gezeigt und uns gestattet, den stabilsten und niedrigsten Diskontsatz der ganzen
Welt aufrechtzuerhalten ...‘“ Zwei Jahre später schreibt die Bank: „...lIm Oktober
1898 trat eine heftige Steigerung der Wechselkurse ein, und wir mußten daher zu dem
einzigen Heilmittel greifen, zu dem in solchen Fällen die Erfahrung rät, zur
Diskonterhöhung. Diese hatte die erwartete Wirkung.“ Ähnlich äußert sich
die Bank in ihrem Bericht für 1907.

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