Full text : Bankpolitik (2.1930)

wie bei der amerikanischen Münze werden Prägegebühren nicht berechnet.
Goldankäufe werden aber nur dann von Nutzen sein, wenn nicht sofort
wieder die Gefahr des Abströmens des Goldes vorliegt. Die Zentralnotenbank
 muß sicher sein, daß ihr nicht auf dem Wege zinsfreier Vorschüsse
Goldmengen zufließen, die ihr ohnedies zugeflossen wären oder Gold, das
nur im Transitverkehr durch ihr Land geht.
Alles in allem: Die Gold- und Devisenpolitik kann die Diskontpolitik
ergänzen und unterstützen, auch die Zahlungsbilanz vorübergehend beein-Aussen;
 sie setzt aber stets eine gesunde Finanzpolitik voraus.
Einen katastrophalen Einfluß auf die deutsche Zahlungsbilanz und die Wechselkurse
 übte die auf Grund des Londoner Ultimatums geforderte und entrichtete Goldmilliarde
 aus. Nur unter erschöpfender Heranziehung der vorhandenen Devisenvorräte
 gelang es, diese auferzwungene Verpflichtung am 81. August 1921 zu erfüllen.
Den devisenpolitischen Maßnahmen der Reichsbank gegen die Entwertung der
Valuta konnte angesichts des übermächtigen Zwanges der Verhältnisse kein nachhaltiger
 Erfolg beschieden sein; Ihr Hauptaugenmerk richtete sie darauf, die natürlichen
 Devisenquellen ergiebiger zu gestalten und für Reparationszahlungen nutzbar
zu machen. Schwierigkeiten, die sich dadurch ergaben, daß ein Teil der vorhandenen
Zahlungsmittel auf andere Währungen als die zu beschaffenden lautete und daß
Zahlungsmittel, deren Eingang bestimmt erwartet wurde, am Stichtage nicht greifbar
waren, suchte die Reichsbank zu beseitigen, indem sie bei der Bank von England ein
Golddepot unterhielt, das es ihr ermöglichte, vorübergehend ein Lombarddarlehen
aufzunehmen.
Unter den diskontpolitischen Hilfsmaßnahmen spielt heute, wie schon
erwähnt, eine wesentliche Rolle die Devisenpolitik: Die Notenbank
hält dauernd einen größeren Bestand an Devisen und bringt sie an den
Markt, wenn sie ein Steigen der fremden Wechselkurse oder eine Goldausfuhr
 verhüten will, Im Falle einer stärkeren Nachfrage nach Devisen
wird die Notenbank zuerst in Anspruch genommen werden, da bei einer
Devisenknappheit die Banken und die anderen Besitzer von Devisen
naturgemäß mit ihren Devisenbeständen, als letzte Reserve, zurückhalten
werden 1).

d) Kassenführung und Zahlungsvermittelung,
Dienstleistungsgeschäfte.
Die im $ 1 des Bankgesetzes der Deutschen Reichsbank zugewiesene
Aufgabe, „den Geldumlauf im gesamten, Reichsgebiete zu regeln, die

1) Als im Mai 1929 die Reichsbank die Kredite kontingentierte, gaben die Banken
ihre Devisenbestände nicht her, sondern behielten sie als Mittel zur Geldbeschaffung,
da ihnen die Reichsbank den normalen Weg zur Geldbeschaffung durch Wechseldiskont
 versperrt hatte,
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