Zahlungsausgleichungen zu erleichtern und für die Nutzbarmachung verfügbaren
Kapitals zu sorgen“, gilt in der Allgemeinheit für alle Zentralnoteninstitute.
Die entwickeltste Form der Zahlungsvermittelung ist der Giroverkehr,
öder noch präziser, der Fern-Giroverkehr, der, wie wir gezeigt
haben, in Deutschland seine höchste Entwickelung erlangt hat, aber auch
seitens einiger anderer Zentralnotenbanken sehr gepflegt wird. Die
Grundlage des Ciroverkehrs bildet das neben der Notenausgabe wichtigste
Passivgeschäft, die Depositenannahme. Mangelnde Betriebsmittel
waren für die meisten Banken der Anlaß zur Einführung und zur Pflege
des Giroverkehrs.
Die Bank von England mit ihrem verhältnismäßig kleinen Filialnetz
hat den Giroverkehr aber wenig gepflegt. Bei der hohen Blüte des
Depositen-: und Scheckverkehrs, der die Banken mit reichen Betriebsmitteln
versah, war wenig Neigung und Anreiz zum Giroverkehr vorhanden.
Die Verrechnung der Schecks durch das country-clearing 1!) kann
— schon wegen der Länge der Zeit, die das Hin- und Hersenden der
Schecks beansprucht — kein Ersatz für den Giroverkehr sein, der, besonders
im Fernverkehr, eine entwickeltere Form des Zahlungsverkehrs ist.
In den Vereinigten Staaten von Amerika war ein Giroverkehr
solange nicht möglich, als Zentralbanken nicht bestanden, Durch Schaffung
der Bundesreservebanken, die als Abrechnungsstellen dienen, war
hierin ein gewaltiger Umschwung erfolgt. Parallel mit der Entwicklung
des Federal Reserve Inkasso-Systems ging die Entwicklung eines Ka belüberweisungsverkehrs.
Während noch vor einigen Jahren der
Kaufmann in Chikago, der sofort in New York eine Rechnung zu begleichen
hatte, genau so einen Wechsel auf New York kaufen mußte, wie etwa
ein New Yorker Großkaufmann Wechsel auf London im Überseehandel
kauft, werden diese Beträge jetzt durch Kabelüberweisungen zwischen den
Reservebanken beglichen.
Praktisch gestaltet sich die Überweisung wie folgt: Die A-Bank in New York, die
an die B-Bank in Chikago 1 Million $ überweisen will, beauftragt hiermit die Federal
Reserve-Bank in New York. Diese telegraphiert an die R.-B. in Chikago und belastet
gleichzeitig das Reserve- Konto der A-Bank mit 1 Million $. Einige Minuten später
schreibt die R.-B. in Chikago den Betrag von 1 Million $ der B-Bank gut und benachtichtigt
diese Bank, die nun sofort über den Betrag verfügen kann. Am Abend melden
Jie R.-B. in New York und Chikago dem Reserve Board in Washington die Gesamthöhe
der Belastungen oder Gutschriften, die sich aus dem gegenseitigen Verkehr
LI
1) S. Band 1.8. 136€.
RE