Auslande ihr Wirkungskreis. Eine große Zahl Banken hat sie im Lauf
der Zeit aufgenommen. Im Herbst 1929 faßte sie den schwerwiegenden
Entschluß, ihre 78jährige Tradition aufzugeben und hinfort eine Gesellschaft
mit der Deutschen Bank zu bilden.
Im gleichen Jahre, in dem die Disconto-Gesellschaft Effektenbank wurde,
entstand, ebenfalls in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, die
Berliner Handels-Gesellschaft, Unter den Gründern befinden sich ein
Teil der Kölner Häuser, die die Darmstädter Bank ins Leben gerufen
haben, daneben aber auch die ersten Berliner Bankfirmen: Mendelssohn
& Co., S. Bleichröder, Robert Warschauer & Co., Gebr. Schickler u. a.
Das Grundkapital wurde zunächst auf 15 Millionen Taler festgesetzt und
konnte bei Bedarf auf das Doppelte erhöht werden.
Als Zweck der Gesellschaft wurde angegeben „Betrieb von Bank-, Handels-
und industriellen Gesellschaften aller Art“. Ihre Wirksamkeit sollte
sich erstrecken „insbesondere auch auf industrielle und landwirtschaftliche
Unternehmungen, auf Bergbau, Hüttenbetrieb, Kanal-, Chausseeund
Eisenbahnbauten, sowie auf die Begründung, Vereinigung und Konsolidierung
von Aktiengesellschaften und die Emission von Aktien oder
Obligationen solcher Gesellschaften“.
Die Berliner Handels-Gesellschaft war bereits in der ersten Epoche eine
„ausgesprochene Emissionsbank, was namentlich die Folge hatte, daß auf
dem Gebiete der Emissions- und Placierungstechnik keine andere Bank
ihr gleichkommt oder gar überlegen ist“1), Verhängnisvoll wurde ihr im
Anfang der zweiten Epoche das Unternehmergeschäft. Seit 1873 ging es
mit ihr schnell bergab. Im Geschäftsbericht von 1875 erwähnt sie zum
ersten Male das verhängnisvolle Muldentalbahn-Geschäft: „Unsere Konsortialbeteiligung
bei der Finanzierung der Muldentalbahn konnte nach
Lage des Marktes für Eisenbahnwerte nicht realisiert werden.“ 1876—1878
konnte die Bank keine Dividende zahlen. ‚Ein weiterer schwerer Schlag
für das Institut waren die verfehlten Spekulationen des Geschäftsinhabers
Schwieger in russischen Noten und die Verluste an erworbenen Anteilen
der eigenen Bank (81/, Millionen M).
Die Berliner Handels-Gesellschaft nimmt insofern eine Sonderstellung
anter den Großbanken ein, als sie keine Filialen und Depositenkassen
öder von ihr beherrschte Konzernbanken besitzt.
irtschaftsführer, Charlotten-F.
Pinner, Deutsche Wir
1) Riesser, a.a. 0, 8.415.
burg 1925,
7
9: