Full text : Bankpolitik (2.1930)

wurde der Weg zu der Tätigkeit gebahnt, bei der die Bank später größte
Erfolge, aber auch zahlreiche Enttäuschungen (Dortmunder Union, Venezuela-Bahn,
 Poppsche Druckluftgesellschaft) erlebt hat.
In der Begründung sagt Hansemann: „Der Unternehmungsgeist,
ermuntert durch steigende Nachfrage, vermehrt die Menge brauchbarer
Sachen und die Anstalten zu schnellem und billigem Transport auf weite
Entfernungen. Die Zunahme der Gütermenge und der Umsätze erheischt
die Vermehrung der Zahlungsmittel und, soweit solche ungeachtet ihres
rascheren Umlaufs nicht ausreichen, ihre Ergänzung durch die Hilfsmittel
 des Kredits, Die Ausdehnung der Wirksamkeit solider Geldinstitute
 ruht sonach auf einer gesunden Unterlage, auf der Ausdehnung der
Produktion und des Handels. Wenn unsere Gesellschaft Gelegenheit hat,
ihre nicht nur gemeinnützige, sondern auch rentable Tätigkeit zu erweitern,
 so verdankt sie dies dem Vertrauen, das sie erworben hat, und sie
wird wohl daran tun, demselben durch entsprechende Vermehrung ihrer
Mittel entgegenzukommen.“
Als Zweck der Bank wird in dem Statut von 1856 angegeben: „Sie
betreibt zur Beförderung der Erwerbstätigkeit ein Bankgeschäft, von
welchem ein Teil, der besondere Verkehr mit den Mitbeteiligten, das
‚Spezialgeschäfte‘ 1) genannt wird“. Da damals das reguläre Bankgeschäft
keine genügende Verzinsung des Stammkapitals versprach, andererseits
die Industrie Deutschlands, die sich zu jener Zeit im Zeichen der Hochkonjunktur
 befand, große Kapitalien benötigte, so wandte auch die Disconto-Gesellschaft,
 nachdem sie 1856 Großbank geworden war, sich diesem
Geschäftszweige zu. Gleich das erste große Industrie-Unternehmen, der
Erwerb der nachher mit der Dortmunder Hütte verschmolzenen Henrichshütte,
 wurde eine Quelle des Unheils für die Disconto-Gesellschaft, denn
fortgesetzt wurde bei der Dortmunder Union eine neue Gründung bzw.
Umgründung, Vergrößerung, Verkleinerung, Reorganisation und Wiedervergrößerung
 notwendig ?).
Als 1864 Adolph Hansemann nach dem Tod seines Vaters die
Führung der Bank übernahm, war ihre Geschäftsbetätigung bereits sehr
vielseitig. Auch mit Preußen und den deutschen Bundesstaaten hatte sie
große Finanzgeschäfte getätigt. Wie im Inlande, weitete sich auch im
1) Dieses besteht in der Hauptsache in der Wechsel-Diskontierung.
2) S. hierüber Otto Lindenberg, 50 Jahre Geschichte einer Spekulationsbank.,
Berlin 1903, und die von der Bank herausgegebene Jubiläumsschrift: Die Disconto-Gesellschaft
 1851—1901. Berlin 1901.
            
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