Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Belegstellen. 
machen und Wind und Regen abzusperren. Was werden sie nicht im 
Winter zu ertragen haben! Kein Feuer wird sie erwärmen; der. kalte 
Wind wird durch Dach und Fenster und Thüre fegen trotz aller Bemüh- 
ungen, denselben abzuhalten. Mit einem Wort, die Wohnungen der ar- 
beitenden Classen im dieser Gegend sind erbärmlich. Auch fehlt der 
Kuh- und Schweinestall; kein Brunnen, keine Pumpe, nichts ist da für 
Reinlichkeit oder Bequemlichkeit. Die Zimmer sind dunkel und unge- 
sund. Die Fenster gehen nicht auf und in die so kleinen Räume sind 
acht. zehn ja zwölf Personen zusammengedrängt.“ 
Seite 98. Schneider!) Thomas Brownlow wird gefragt: 
„Ihr seid Schneidergeselle gewesen und jetzt arbeitet Ihr für Euch, 
In was für Plätzen habt Ihr gearbeitet? — Ich habe immer in den gröss- 
ten Etablissements London’s gearbeitet. Acht Jahre habe ich bei ‘den 
Herren Allen, Old Bond-street, gearbeitet; vier Jahre war ich bei Stultze, 
Cliffort-street, beschäftigt. Bei Allen arbeiteten damals achtzig bis hun- 
dert Mann, bei Stultze ungefähr zweihundertfünfzig. — Wollt Ihr die Ar- 
beitsstätten beschreiben und die Wirkungen derselben auf die Gesundheit 
der Arbeiter? — Der Ort, worin wir bei den Herren Allen zu arbeiten 
pflegten, war ein Zimmer, worin achtzig Mann beschäftigt waren. Das 
Zimmer war sechzehn bis achtzehn Ellen lang, sieben bis acht Ellen breit 
und von oben erleuchtet; die Leute sassen dicht neben einander, beinahe 
Knie an Knie. Im Sommer machten die Ausdünstung der Arbeiter und 
die Hitze der Bügeleisen das Zimmer zwanzig bis dreissig Grad heisser 
als die Temperatur draussen. Die Hitze war dann geradezu erstickend, 
besonders wenn die Lichter angezündet wurden. Ich habe junge Leute, 
Schneider vom Lande, in Ohnmacht fallen sehen, wegen der enormen Hitze 
und Schwüle. Der Geruch, durch die Hitze der Bügeleisen und die ver- 
schiedenartigsten Ausdünstungen der Leute hervorgebracht, war in der 
That unerträglich. Obgleich die Arbeiter so entblösst wie nur möglich 
zassen, so lief doch der Schweiss in Strömen an ihnen herab. Sehr oft 
kommt es vor, dass heile Kleidungsstücke durch den Schweiss der Hände 
vollständig ruinirt werden. So ist.in einem Sommer Tuch von vierzig bis 
fünfzig Pfund Sterling Werth unbrauchbar geworden. — In welchem Zu- 
stande sind diese Arbeitsstätten im Winter? — Sie sind noch ungesunder 
im Winter, da die Hitze der Lichter und die Schwüle noch grösser ist. 
Kalte Luft fürchten die, welche in der Nähe des Zuges sitzen. Es ist 
fortwährend Streit wegen Fensteröffnens, da diejenigen, welche nahe an 
den Fenstern sitzen und daher die Hitze nicht so sehr fühlen, wie die 
Leute an den Oefen, sich immer gegen das Oeffnen der Fenster sträuben. 
1) Auf das Folgende bezieht sich. die Anmerkung 6 auf Seite 631 
des vorliegenden Werkes (woselbst L. statt K. zu lesen ist)
	        
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