(1463) 1877 Mai 27
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wir wollen indes sehn, wie’s geht, wenn die wirkliche Kampagne
beginnt. Aber die Entscheidung liegt in Konstantinopel, und. sie
fängt an dringend zu werden.
Monsieur Mac Mahon scheint auch an seinem Coup de töte irre
zu werden. Es zieht nicht recht, selbst die Börse will trotz aller
Anstrengungen nicht ordentlich anbeißen. Seine Versicherungen,
sich in der Legalität halten zu wollen, zeigen auch, daß der Erfolg
den Zusicherungen von Broglie & Co. nicht entspricht. Wenn die
Franzosen sich diesmal stramm halten und ordentlich, selbst nur
„ nicht schlechter als das letzte Mal wählen, so sind sie wahrschein-
lich mit dieser Art Reaktion ein für alle Mal fertig. Wie sich die
Sache abwickelt, ist dieser Coup nicht auf Gewalt angelegt, und
wenn später auch der Versuch damit gemacht werden sollte, geht
es wahrscheinlich schief. Man kann nicht einen Coup d’Etat auf
3 3 Monate nach Dato ziehen wie einen Wechsel. Dabei ist Broglie
kein Dreinschläger, sondern ein parlamentarischer Intrigant, und
versäumt sicher den rechten Moment, selbst wenn Mac Mlahonls
Skrupel und Schranken dies nicht von vorn herein fast sicher
machten. Enfin, die Sache verläuft äußerst günstig, und wenn
diesmal die Wähler sich von Präfekten etc. als Stimmvieh behan-
deln lassen, so verdienen sie’s nicht besser, es sieht aber nicht
lanach aus. Welche Chance für das alte Schwein Thiers, wenn
Mac Mlahon] das Dilemma stellt: gute Wahlen oder ich danke ab!
Fael!
Dein
F.E.
1464. Marx an Engels in Brighton; [London
1877 Mai 31.
231. Mai 1877.
Lieber Engels,
Ich hoffe, daß es mit Deinen Augen besser geht. Madame Lon-
guet senior hat der Madame Lormier, deren Augenübel von Tag
zu Tag schlimmer und sehr bedenklich ward, ein Salbenbüchschen
(was nicht minder denn 30 fes. kosten soll) zugeschickt, und sehr
weniges davon hat sie — mirabile dictu — in wenigen Tagen voll-
ständig kuriert. Über das fact ist keine Kontroverse möglich. Die
Salbe ist sehr berühmt in Frankreich, und bei Riechen, Sehn etc.
derselben wirst Du wohl finden, was ihr Hauptbestandteil.
Deine Ansichten über state in Turkey stimmen so sehr mit
meinen überein, daß ich selbes fast wörtlich dem Wroblewsky
gesagt.
_ Aber die Krise naht heran. Damad Mahmud et Co., die unter
direktem russischem Einfluß, wären sehre geneigt, Frieden zu
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