Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft, Berlin
lragung der Ausbeutung der staatlichen Bergwerke
usw. an die Gesellschaft ist durch Vertrag vom
‘1. Januar 1924 erfolgt, ‚wobei das zu den Betrieben
gehörende Eigentum nebst sämtlichem Zubehör dem
Staate verblieb. Die Gesellschaft ist danach ver-
pflichtet, für die Ausbeutung des von ihr verwalteten
Staatseigentums ein monatliches festes Entgelt an
len Staat zu zahlen und außerdem die von ihr er-
zielten Ueberschüsse als Dividende am Jahresschlusse
ınverkürzt an die Staatskasse abzuführen,
Durch das Gesetz vom 26. Juli 19%6 — Ges.-
Sammlung Seite 284 — wurde dieser Zustand ge-
ändert. Der Preußischen Bergwerks- und Hütten-
Aktiengesellschaft wurde hiernach auch das Eigen-
um der obengenannten Betriebe ganz als Einlage
gegen Aktien übereignet. Das Aktienkapital ist
durch Beschluß der Generalversammlung vom 9. De-
zember 19% auf Rmk. 100000 000,— erhöht worden,
das an den Staat zu zahlende Entgelt ist weggefallen.
Der infolge dieser Aenderung erforderliche neue
Vertrag zwischen Staat und Gesellschaft wurde am
30, November 1926 abgeschlossen.
{in der Generalversammlung am 10. April 1929
wurde das Aktienkapital um Rmk. 40000 000.— auf
Rmk. 140 000 000.— erhöht. Gleichzeitig wurde in
lieser Generalversammlung der Uebertragung der
Aktien vom Preußischen Staat auf die Vereinigte
Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft zu-
gestimmt. In dieser Gesellschaft sind mit Zustimmung
des Landtags jetzt die staatlichen Elektrizitäts- und
Bergwerks-Aktiengesellschaften zum Zwecke des
Geldausgleichs und der Geldbeschaffung zusammen-
gefaßt. Die Aktien der neuen Gesellschaft sind
sämtlich im: Eigentum des Preußischen Staates. Die
Wahrung der Aktionärrechte liegt dem Handels- und
dem Finanzminister gemeinschaftlich ob.
In der Generalversammlung am 2. Juli 1930 wurde
las Grundkapital von Rmk. 140 000 000.— auf Reichs-
mark 110000 000.— herabgesetzt, und zwar wurden
30000 Stück der volleingezahlten Aktien im Nenn-
wert von je Rmk. 1000.— vernichtet.
Das Verlangen, die Staatsbergwerke in eine
privatwirtschaftliche Form umzustellen, ist alt und
wurde zuerst eindringlich vertreten durch den kon-
servativen Landtagsabgeordneten v. Pappenheim, auf
dessen Antrag hin ein besonderer Ausschuß des
Preußischen Landtags zur Verfolgung der gedachten
Zwecke eingesetzt wurde. Der Krieg unterbrach
liese Vorarbeiten. Erst im Jahre 1922 konnten sie
wieder aufgenommen werden. Die zu dieser Zeit be-
gonnenen Arbeiten erlitten - erneut eine Unter-
brechung durch den Ruhreinbruch, da die zunächst
angestrebten Maßnahmen auf die Umstellung der im
Ruhrgebiet gelegenen Recklinghäuser Werke aus-
zingen.
Der Zweck dieser Maßnahme war, eine größere
Wirtschaftlichkeit der betreffenden staatlichen Unter-
achmen und eine klarere Uebersicht über die Betriebs-
ergebnisse zu gewährleisten. Innerhalb der früheren
staatlichen Formen glaubte man dies nicht erreichen
zu können, sondern drang auf eine völlige Loslösung
ler Staatsbergwerke vom Etat und auf ihre Um-
stellung auf eine moderne Wirtschaftsform, wie solche
sich bei Privatunternehmen ähnlicher Art bewährt
hat. Die Lösung vom Etat brachte eine große Ent-
lastung der Werke von allgemein als überflüssig be-
;rachteter Arbeit. Auch die Aufhebung der Rech-
ıungslegung für die Prüfung durch die Oberrech-
yungskammer wirkte in dieser Hinsicht. Die Um-
stellung auf eine moderne Wirtschaftsform bezweckte
las‘ Verlassen der bürokratischen Gleise und sollte
lie Möglichkeit leichter Kreditbeschaffung herbei-
“‘ühren sowie die Ausnutzungsmöglichkeit der je-
veiligen Marktlage bei plötzlich auftretenden Wirt-
;chaftsbedürfnissen, unabhängig von der Finanzlage
les Staates. Durch die neue Form einer Aktien:
zesellschaft erreichte man ferner, daß an die Stelle
ler bisherigen Staatsbeamten — namentlich in den
eitenden Stellen — höher bezahlte, an den Betriebs-
rgebnissen geldlich interessierte ‚und jederzeit künd-
)are Angestellte traten. Dies war ein weiteres Mittel,
ler neuen Verwaltung an .allen Stellen kauf-
nännischen Geist einzuflößen und damit erhöhte
Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Die klarere Uebersicht.
iber die Betriebsergebnisse ließ sich ebenfalls durch
lie neue Wirtschaftsform ohne weiteres erreichen,
veil Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung un-
3ezwungen nur aus der für die neue Form selbst-
zorständlichen ‚kaufmännischen Buchführung hervor-
zehen.
Nach den bis jetzt vorliegenden Geschäfts-
Jerichten der Preußischen Bergwerks- und Hütten-
\ktiengesellschaft für die ersten sechs Geschäftsjahre
924-—1929 ist der angestrebte Erfolg erreicht worden.
Jie Umstellung ist auf allen Werken ohne Schwierig-
zeiten durchgeführt. Eine große Reihe von Beteili-
zungen an anderen Unternehmungen wurde vor-
senommen, um die angestrebten Allgemeinzwecke zu
Öördern. Für den technischen Ausbau der Werke
ler vom Staat im Kriege und bei den widrigen
Vachkriegsverhältnissen naturgemäß hätte vernach-
ässigt werden müssen, wurden reiche Mittel ver.
vendet, damit die Werke den auf allen Gebieten sich
feltend machenden Wettbewerb erfolgreich ausüben
zönnen. In den ersten sechs Geschäftsjahren hat man
ür den gedachten Zweck fast Rmk. 100 000 000.—
yufgewandt, Daneben konnten an den Staat Reichs-
mark 22 500 000.— ausgeschüttet werden.
Von vielen Seiten wird immer die Behauptung
aufgestellt, daß die Preußag steuerliche Vergünsti-
zungen genieße und dadurch gegenüber reinen Privat-
gesellschaften sehr im Vorteil sei. Dies ist unzu-
treffend. Die Preußag muß alle laufenden Steuern
in gleicher Weise wie jede andere Privatgesellschaft
sahlen. Sie ist lediglich von der Vermögenssteuer
’efreit. Diese Erleichterung ist aber. unbedeutend
ınd fällt kaum ins Gewicht, x
Die tatsächliche Uebernahme der einzelnen Berg-
werke, Hütten und Salinen einschließlich des preu-
3ischen Anteils an den sogenannten Gemeinschafts-
werken seitens der Aktiengesellschaft ist im Laufe
les Jahres 1924 erfolgt. Ausgenommen von der Ueber-
ı1ahme sind lediglich die der früheren ‚staatlichen
3ergwerksdirektion Recklinghausen i. W. unter-
stehenden Betriebe, die jetzt einer besonderen Gesell-
schaft, der Bergwerks-Aktiengesellschaft Reckling-
hausen, übertragen worden sind.‘ Die Bergwerks-
zesellschaft Hibernia in Herne, deren Aktien sich fast.
3ämtlich seit langer Zeit im Besitze des Staates be-
inden, wurde naturgemäß durch die Umstellung nicht
Jerührt,.
Abgesehen von zahlreichen Berechtigungen und
Gerechtsamen, sind von der, Preußischen Bergwerks-
ınd Hütten-Aktiengesellschaft die nachstehenden
Werke übernommen worden:
Belegschaft
Zweigniederlassung Oberharzer Berg- und
Hüttenwerke in Clausthal-Zellerfeld:. . . 2250
a) Abteilung Erzbergwerk Clausthal
b) Abteilung Erzbergwerk Lautenthal
£) Abteilung Zrzbergwerk Grund
ü) Abteilung Bleihütte Clausthal
-\ Abteilung Silberhütte Lautenthal