fullscreen: Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

IX. Textilindustrie. 
Tabelle 24. 
Die Gesellschaften der Textilindustrie umfassen neben Wolle-, Baumwolle-, Jute- und 
Leinen-Spinnereien und -Webereien aller Axt die Teppich-, Spitzen- und Gardinenfabriken, ferner 
je eine Gesellschaft für Herrichtung von Stoffen und für Treibriemenweberei und Seilfabrikation. 
Die Anzahl der Gesellschaften wächst von 41 im Jahre 1901 auf 56 im Jahre 1910. Das 
eigene Kapital nimmt in den ersten 6 Jahren zu und bleibt dann ungefähr auf derselben Höhe; 
durchschnittlich beträgt es I2i,o°/ 0 des Aktienkapitals. Das ftemde Kapital besteht überwiegend 
aus kurzfristigen Schulden; von seiner durchschnittlichen Höhe von 70,0 °/ 0 des eigenen Kapitals 
entfallen' nur 24,9 °/ 0 auf Anleihen und Hypotheken, die sich auf 30,2 °/o des Aktienkapitals belaufen. 
Der Anteil des produzierenden Anlagevermögens am produzierenden Vermögen ist in den 
ersten Jahren größer als der des Betriebsvermögens; er zeigt aber eine fortdauernde Abnahme, so 
daß sich das produzierende Vermögen durchschnittlich zusammensetzt aus 45,5 °/ 0 produzierendem 
Anlagevermögen und 54,5 °/ 0 Betriebsvermögen. Hoch sind die Vonäte mit durchschnittlich 31,0 °/ 0 
des produzierenden Vermögens; jedoch zeigen sie in den einzelnen Jahren erhebliche Verschiedenheiten. 
Der Anteil der Wertpapiere und Beteiligungen, duichschnittlich 7,7 °/ 0 des Gesamtvermögens, 
bleibt im ganzen auf gleicher Höhe. 
Die Abschreibungen betragen 2,5 °/ 0 des Gesamtvermögens, 
X. Papierindustrie. 
Tabelle 25. 
Die Anzahl der Aktiengesellschaften für Papierindustrie wächst von 15 im Jahre 1901 auf 
19 im Jahre 1910. Das eigene Kapital ist im Verhältnis zum Aktienkapital sehr hoch; durch 
schnittlich 136,8 °/ 0 des Aktienkapitals, steigt es 1910 bis auf 141,6 °/ 0 . Die Zunahme der Reserven 
wird zum großen Teil nicht durch Zuwendungen aus dem Betriebsgewinne bewirkt, sondern durch 
Agiozuwendungen, die in einzelnen Jahren erhebliche Beträge darstellen, so z. B. im Jahre 1909 
rund 7 Mül. Mark, die aber nicht voll in der Tabelle zur Erscheinung treten, da im gleichen Jahre 
ein größerer Verlust einer Gesellschaft 1 aus- den Reserven beseitigt wird. Trotz der ständigen 
bedeutenden Vermehrung des eigenen Kapitals ist der Bedarf an fremdem Kapital groß; im Durchschnitt 
beträgt es 73,3 °/ 0 des eigenen Kapitals, wovon 39,2 °/ 0 auf Anleihen und Hypotheken entfallen, 
die 53,7% des Aktienkapitals erreichen. Auch in den einzelnen Jahren, mit Ausnahfile von 1908, 
überwiegen die langfristigen Schulden die kurzfristigen. 
Die Vermögensverteilung zeigt trotz großer Vorräte ein das Betriebsvermögen übersteigendes 
produzierendes Anlagevermögen. Durchschnittlich setzt sich das produzierende Vermögen zusammen 
aus 53,8 °/ 0 produzierendem Anlagevexmögen und 46,2 °/ 0 Betriebsvermögen, wovon auf Vorräte 21,9 °/ 0 
entfallen. In den Jahren 1901 und 1902 erscheint das Betriebsvermögen zu hoch durch ein Darlehen 
einer der Aktiengesellschaften 2 * an ein ausländisches Unternehmen. 
Der Anteil der Wertpapiere und Beteiligungen beträgt durchschniitlich 13,4 °/ 0 des Gesamt 
vermögens; ihre Verteilung auf die einzelnen Gesellschaften ist sehr ungleichmäßig, da sie zu mehr 
als 9 /to einer einzigen Gesellschaft 2 gehören. 
Die Abschreibungen betragen 3,1% des Gesamtvermögens. 
XI. Leder-, Gummi- und Linoleumindustrie. 
Tabelle 26. 
Die Anzahl der Gesellschaften der Leder-, Gummir und Linoleumindustrie wechselt in den 
einzelnen Jahren zwischen 13 und 15 Gesellschaften. Die 13 Gesellschaften des Jahres 1910 setzen 
sich zusammen aus 2 Lederfabriken (ohne Schuhfabriken), 7 Gummiwaren-, 3 Linoleumfabriken und 
1 Zelluloidfabrik. Das eigene Kapital steigt von 126,8 °/ 0 im Jahre 1901 auf 132,6 °/ 0 des Aktien 
kapitals im Jahre 1910; durchschnittlich beträgt es 130,2. Das fremde Kapital wächst im Laufe 
der 10 Jahre von 46,5 auf 83,0 °/ 0 des eigenen Kapitals; vom Durchschnitt 65,0 °/ 0 entfallen 27,7 °/o 
auf Anleihen und Hypotheken, die 36,0 °/ 0 des Aktienkapitals betragen und während der Zeit der 
Untersuchung stets die kurzfristigen Schulden überwiegen. 
Die Verteilung des produzierenden Vermögens zeigt, soweit dies bei den Unterschieden 
der Anzahl der Gesellschaften in den einzelnen Jahren zu erkennen ist, eine allmähliche Abnahme 
1) Elberfelder Papierfabrik A.-G. 
2) Zellstoffäbrik Waldhof: 7 Mill, Mk, Darlehen an die russische A.-G. Wäldhof, das 1903 in Obligationen 
der russischen Gesellschaft umgewandelt wird.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.