Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 509
bürgen, Johann Zapolya, gegenübergestellt. Zapolya suchte
darauf seine Ansprüche mit Hilfe der Türken zu verwirklichen;
ganz Ungarn wurde von diesen überzogen, am 27. September
1529 erreichten sie sogar Wien; die ungarische Königskandidatur
schien den Habsburgern den Verlust der Erblande, der west—
europäischen Welt den Einfall einer orientalischen Kriegsmacht
bringen zu sollen.
Da gelang es, die Türken in heldenmütigem Widerstande
von Wien abzuweisen, und die Kämpfe eines weiteren Jahr—
zehnts führten schließlich zu einer Teilung Ungarns unter die
drei streitenden Parteien; im Osten herrschte von nun ab
Johanns Sohn Johann Sigmund; die Mitte des Landes, mit
der Hauptstadt Ofen, verblieb den Türken; im Westen wurde
die Regierung Ferdinands anerkannt. Und erst viel später,
mit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ist dann das
ganze Ungarn dauernd der habsburgischen Herrschaft zu—
gefallen.
Die erste Aufgabe, die der Dynastie bei dieser Entwicklung
seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, nach der Erwerbung
Böhmens und Ungarns, zufiel, war klar vorgezeichnet: es
handelte sich um die Herstellung eines vollen Erbrechts für die
neuerworbenen Lande, eines Erbrechts, wie es für die alten
Erblande bestand. Diese Aufgabe ist für Böhmen im Laufe
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sich schon im Jahre 1545 die Stände zu einer indirekten An—
erkennung des Erbrechts bequemt hatten, wurde 1617 auf dem
Prager Landtage, wenn auch mit Mühe, das volle Erbrecht
anerkannt; und nach der Knechtung Böhmens durch Ferdinand II.
im Verlaufe des Dreißigjährigen Kriegs wurde sein Bestand
kaum noch bezweifelt; die verneuerte Landesordnung vom
Jahre 1627, die das Erbrecht aufstellte, ist nebst den ergänzenden
Novellen und Dekreten Kaiser Ferdinands III. (16405 bis zum
Jahre 1848 Grundlage der böhmischen Landesverfassung ge—
blieben. Böhmen trat damit in ganz ähnliche Beziehungen zur
S. unten Abschnitt II, S. 8330 ff.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2.