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veränderten Bevölkerungsstruktur wird aber auch bei der Deckung
dieses Bedarfs Rechnung getragen werden müssen. Die Verkleine-
rung der Haushaltungen infolge der geringeren Kinderzahl oder von
Kinderlosigkeit verlangt in erster Linie den Bau von Kleinwohnungen.
Auf 100 Haushaltungen kamen vor dem Kriege durchschnittlich etwa
154 Kinder unter 15 Jahren, heute dagegen nur noch 107 Kinder im
entsprechenden Alter. Auch der Frauenüberschuß wird zwangsläufig
mit dem Absterben der Eltern dieser von den Kriegsfolgen be-
troffenen Frauengeneration den Bedarf an Kleinwohnungen ver-
stärken.
2. Soziale Umschichtungen und Städtebildung.
Das schnelle Wachstum des deutschen Volkes in den letzten
Jahrzehnten hat die soziale Struktur und die berufliche Betätigung
der Bevölkerung tiefgreifend verändert. Zu Beginn der achtziger
Jahre des vorigen Jahrhunderts — mit diesem Zeitpunkte beginnen
die statistischen Feststellungen — war das Deutsche Reich noch ein
ausgesprochener Agrarstaat, denn nach der Berufszählung des Jahres
1882 lebten 40% der Bevölkerung unmittelbar von der Landwirt-
schaft. Da das Land den in die Millionen gehenden Bevölkerungs-
überschuß nicht selbst ernähren konnte und die deutsche Bodenver-
teilung, das Erbrecht und die Agrarpolitik eine großzügige Siedlung
nicht zugelassen haben, mußte der Bevölkerungsüberschuß in andern
Erwerbszweigen ein wirtschaftliches Unterkommen suchen. Die land-
wirtschaftliche Bevölkerung hat sich in ihrem absoluten Bestande seit
dem Jahre 1882 kaum verändert, ihr Anteil an der gewachsenen
Gesamtbevölkerung betrug im Jahre 1925 aber nur noch 23 %. Da
mit dem Aufblühen der deutschen Industrie das frühere Ventil für
den Bevölkerungsüberdruck — die Auswanderung — an Bedeutung
verlor, strömte fast der ganze Bevölkerungsüberschuß den gewerb-
lichen Berufen zu. Der Anteil der industriellen Bevölkerung stieg
von 1882 bis 1925 von 35 % auf 41% der Gesamtbevölkerung. Die
vom Handel und vom Verkehrswesen lebende Bevölkerung ist in dem
gleichen Zeitraum von knapp 10% auf nahezu 17 % der Gesamt-
bevölkerung angewachsen.
Diese beruflichen Verschiebungen spiegeln sich in den Ver-
änderungen wider, denen der soziale Aufbau der Bevölkerung unter-
worfen ist. Bei den selbständigen Erwerbstätigen, also bei den Unter-
nehmern, Handwerkern, Landwirten, aber auch bei den selbständigen