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flüchtet querfeldein und erreicht endlich Paris. Aber
da er aus Gefälligkeit auch den Reisesack Oppenheinis
mitgenommen, denselben indes ebenfalls im Waggon
zurückgelassen hatte, so findet man Oppenheims Papiere
darin und arretiert diesen als des Diebstahls verdächtig.
Der Richter eines obern Gerichtshofes, der Sohn
eines fünffachen Millionärs, ins Gefängnis gebracht
wegen Diebstahls! Denken Sie sich, welches Auffehen
dies in ganz Deutschland machte.
Es gelang mir, Zugang in das Gefängnis Oppen
heims zu finden. Ich nahm ihm das Versprechen ab,
daß, falls der Graf seiner Frau Gerechtigkeit wider
fahren lassen wollte, er, Oppenheim, über die eigent
liche Veranlassung seiner Tat schweigen würde. Er
versprach eö mir. Ich sage eS zu seinem Lobe, dieses
Versprechen war eine Heldentat von ihm, denn wenn
er den Grund seiner Tat nicht gestand, so lief er die
größte Gefahr, als gemeiner Dieb verurteilt zu werden.
Das war ein unerhörtes Opfer. Aber wir waren über
eingekommen, alles zu tun, um dieser Frau zu helfen,
und er versprach es mir fest. Ich ließ dem Grafen den
Vorschlag machen. Er wies ihn ab. Nun aber ent
brannte der eigentliche Kampf. Er entbrannte mit einer
Erbitterung ohnegleichen. Da Mendelssohn in Paris
flüchtig war und Oppenheim im Gefängnis saß, so
war ich schon von Anfang des Kampfes ganz allein
und blieb es auch, wie Sie bald sehen werden, während
seiner ganzen Dauer. Dies verringerte jedoch nicht im
mindesten meinen Mut.
Ich begann eine Flut von Prozessen über den Grafen
zu ergießen. Bis dahin hatte ich nicht Jurisprudenz