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hauptsächlich unter der Wohnungsnot zu leiden haben, ist
an eine befriedigende Lösung dieser Frage nicht zu denken.
Der Arbeiter kann nur das wirklich würdigen und schätzen,
was er durch eigene Arbeit erlangt. Er muß selbst mit Kopf,
Herz und Hand an der Durchführung einer Reform beteiligt
sein, wenn sie für ihn irgendwelchen Wert haben soll. Daher
bleiben die bestgemeinten Maßregeln der Staatshülfe und Ge
sellschaftshülfe häufig völlig wirkungslos, weil sie auf die
Mitwirkung der Arbeiter verzichten. Die Selbsthülfe ist daher
notwendigerweise der hauptsächlichste Faktor in jeder sozialen
Reform, dem alle anderen Faktoren dienstbar zu machen sind.
Diese Selbsthülfe der Arbeiter läßt sich in der Angelegenheit
der Wohnungsreform nur in der Weise durchführen, daß die
Arbeiter sich organisieren und daß sie Genossenschaften
bilden.
Die genossenschaftliche Organisation ist von jeher als ein
Mittel betrachtet worden, durch welches der Arbeiter seine
wirtschaftliche Lage heben und die Mängel aufheben kann,
welche seine soziale Stellung mit sich bringt. 1 ) Dieses Ziel
wird von verschiedenen Genossenschaften auf verschiedenem
Wege angestrebt. Man kann dementsprechend die Genossen
schaften einteilen in Produktiv-, Distributiv- und Konsumtiv
genossenschaften, je nachdem es sich darum handelt, die Lage
des Arbeiters als Produzenten, als Käufer und Kreditsuchen
den, oder als Konsumenten zu bessern.
Die Produktivgenossenschaften organisieren die Arbeiter
zu gemeinschaftlicher Produktion, sie wollen eine Verbesserung
ihrer Lage dadurch erreichen, daß sie den Unternehmer
eliminieren und seinen Gewinn den einzelnen Genossen je
nach ihrer Leistung zuführen. In dieser Weise soll sowohl
die soziale Stellung wie das Einkommen der Arbeiter ver
bessert werden.
Die Disti’ibutivgenossenschaften wollen den Arbeitern oder
Handwerkern eine günstigere Stellung in Handel und Verkehr
verschaffen, sei es, daß sie ihre Kreditfähigkeit erhöhen oder
ihnen im Einkauf und Verkauf die Vorteile, welche dem
Großbetrieb eigentümlich sind, verschaffen. Dazu gehören
’) Sinzlieimer, Die Arbeiterwohnungsfrage, Stuttgart 1902, S. 125.