112 3. Teil. Die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.
Behauptungsdrang angeregt, die technische Bildung gesteigert
werden, und dafür sollen gerade die bolschewistischen Wirtschaftsführer
vorbildlich sein *®.
Daher ist der wirtschaftliche Fünfjahresplan mit einem kulturellen
verbunden. Nicht nur das Analphabetentum soll mit allen
Mitteln bekämpft werden, sondern es gilt, das gesamte Bildungswesen
dem wirtschaftlichen Interesse entsprechend umzustellen.
Es kommt auf Techniker, Spezialisten, Fachleute aus den Reihen
der herrschenden Partei und der mit ihr arbeitenden Massen
an. Gleichzeitig hat die Liquidation aller Gruppen, die nicht dem
Vordringen der sozialistischen Gesellschaft entsprechen, zu erfolgen.
Das bedeutet die Stärkung des antireligiösen Kampfes.
Man hofft in den Kreisen des als Organ für diesen Kampf dienenden
Bundes der Gottlosen zugleich mit der Erfüllung des Fünfjahresplanes
so weit zu sein, um die Schließung der Kirchen bei
den Massen zu erreichen. Gleichzeitig verwandelt sich die Schule
aus einer religionslosen Schule in eine offen atheistische, da nur
die atheistische Erziehung dem zentralen Wirtschaftsinteresse entsprechen
kann *®.
Wie sieht die Verwirklichung des Fünfjahresplanes bisher aus?
Die Antwort auf diese Frage gibt zugleich die Möglichkeit, einen
Überblick der gesellschaftlichen Auswirkungen, die das bolschewistische
Regime gehabt hat, zu geben. Da ist zunächst festzustellen,
daß der Fünfijahresplan bisher in seinen Ansätzen trotz
aller Schwierigkeiten durchgeführt wird. Die von ihm angegebenen
Projekte werden in Angriff genommen. Man bemüht sich, die geforderten
Produktionszahlen zu erreichen und zu übertreffen. Dabei
ist zu beachten, daß der Fünfjahresplan in seinen einzelnen Angaben
natürlich nicht genau bemessen ist, daß er nur Grundtendenzen
angibt. Vieles erwies sich als zu vorsichtig angesetzt,
wie aus dem Versuch hervorgeht, ihn jetzt in vier Jahren zu verwirklichen,
oder aus der Tatsache, daß es einzelnen Wirtschaftszweigen
möglich war — ich denke nur an die Petroleumproduktion
—, ihn in zweieinhalb Jahren zu erfüllen, Aber es kommt gar
nicht auf die einzelnen Zahlen bei seiner Aufstellung an. Der
Versuch, ihn zu verwirklichen, bedeutet die Schaffung einer bestimmten
Massenmentalität. Der Fünfjahresplan wird als die Norm
des öffentlichen Lebens im heutigen Rußland betrachtet, zugleich
als Propagandanorm und als Ziel der wirklichen Entwicklung.
Durch ihn erhält das Leben einen scheinbaren Sinn, — er macht
die Frage nach den Aufgaben des Lebens überflüssig. Denn er ist
die entscheidende Aufgabe. Alles hat in seinem Dienste zu stehen,