Full text : Der Bolschewismus

Die Grundlagen der Religionskritik. 177

Muß die Religion mit den andern Erscheinungen des Kapitalismus,
der Ware und dem Markte usw. verschwinden. Sie ist keine
[deologie, die notwendig zum menschlichen Dasein gehört, sie ist
nur der deutliche Beweis für das Vorhandensein unvollkommener
gesellschaftlicher Verhältnisse, die zu ändern sind.
„Religion ist Opium für das Volk.“ In diesem berühmten Satz
von Marx, den die Bolschewisten als Kernsatz übernommen haben
und den Lenin noch gröber formuliert hat — „Religion ist Fusel“
(siwuschka) # __ ist die ganze marxistische Einstellung zur Reli-8i0n
 zusammengefaßt. Religion ist Opium für das Volk, das heißt
Zunächst: Religion ist Rechtfertigung der herrschenden, gesell-Schaftlichen
 Verhältnisse, der Ausbeutung der Massen durch den
Kapitalismus usw. Die Massen werden durch dieses Opium daran
Eehindert, die wahre soziale Wirklichkeit zu erkennen. Die Fefische
 der Religion verbergen ihnen die herrschenden Verhältnisse.
Der Fetisch hinderte seinen Anbeter an der Erkenntnis der Naturgesetze,
 ebenso hindert alle Religion die Erkenntnis der sozialen
Gesetze, der Gesetze des Gesellschaftslebens. Damit ist die zweite
Bedeutung des antireligiösen Grundsatzes von Marx gegeben:
die Religion entspricht einer gesellschaftlichen Ordnung, in der
Noch die Sachen den Menschen beherrschen und der Mensch
darum in seinem gesellschaftlichen Dasein immer wieder vor
Überraschungen, Rätsel usw. gestellt wird. Da ist ihm die Reli-Zion
 ein Opium, das diese Rätsel und Überraschungen ihm dadurch
erträglich macht, daß es sie durch die Berufung auf das Jenseits,
die göttliche Vorsehung, die göttlichen Strafen für Sünden usw.
deutet und erklärt.
Der Leninismus fügt der Religionskritik von Karl Marx nichts
Neues hinzu. Er führt sie nur praktisch durch und wendet sie
Massenagitatorisch an. Dabei läßt er sich genau so wie in der
Dolitischen Theorie, die den Glauben an eine friedliche Entwicklung
zum Sozialismus mit Hilfe der parlamentarischen Demokratie
ablehnt, auf keinerlei Konzessionen und Kompromisse ein. Lenin
hat betont, daß der berühmte Satz des Erfurter sozialdemokralischen
 Programms, „die Religion ist Privatsache‘“, nicht etwa
eine Duldung der Religion als einer Gewissensangelegenheit des
anzelnen bedeuten soll. Man müsse diesen Satz von den gesellschaftlich-geschichtlichen
 Verhältnissen her betrachten, er bedeute
die endgültige, ehrliche Trennung der Öffentlichkeit, des Staates
von der Religion, er eröffne in keiner Weise die Möglichkeit für
den Sozialisten, die Jenseitsreligion zu beiahen. Er sei ein politisch-taktischer
 Satz, der die prinzipielle Ablehnung aller Jenseits-Qurian.
 Der Bolschewismus. 12
            
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