69
der Columbia Universität: „Wenn sie fordern, dass ein Mensel)
nur einen Tag für Sie arbeiten und dass dabei die grösstmögliche
Leistung aus ihm herauskommt, dann müssen sie ihn 24 Stunden
arbeiten lassen. Soll er eine Woche arbeiten, so müsste man die
Zeit auf täglich 20 Stunden beschränken; auf 18 Stunden, wenn
er während eines Monats schaffen soll; für ein Jahr würde es
mit 15 Stunden gehen; mehrere Jahre mit 10 Stunden. Soll der
Mann aber Zeit seines Lebens möglichst viel leisten, so müssen
Sie auf 8 Stunden täglich herabgehen.“
Bekannt ist das beachtenswerte Ergebnis, dass die Unternehmer
am Ende anerkennen mussten, dass die Verkürzungen,
die ihrem Sträuben abgerungen worden sind, zu ihrem Vorteil
ausgeschlagen sind. Da aber die Behauptung der englischen
Fabrikanten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Verkürzung
der Arbeitszeit müsse sie ruinieren, in den 70 er Jahren
in Neuengland und noch heute im Süden wiederholt werden, will
ich später untersuchen, welchen Vorteil für die Unternehmer die
Erfüllung aller Forderungen der Gewerkschaften bedeuten und
wie die Zunahme des Ertrages einer Tagesarbeit im wesentlichen
nur der Verkürzung der Arbeitsstunden zuzuschreiben ist.
Aber auch wo die Verkürzung der Arbeitszeit nicht unmittelbar
eine Steigerung der Produktion bedeutet und deshalb
von den Unternehmern nicht unmittelbar im eigenen Interesse
betrieben wird, sollten wir dem Arbeiter dieselbe doch zubilligen.
Die von den Arbeitern aus der Klasse der Unternehmer gewählten
Freunde haben im Anfang behauptet, mehr freie Zeit
werde nur in Trinken und Zerstreuung verschwendet, da der
Arbeiter nicht wisse, was mit derZeit tun. Aber die tägliche
Erfahrung beweist das Gegenteil. Wenn ein Mann überarbeitet
aus der Fabrik kommt, ist er allerdings nicht imstande, Bücher,
Kunst, Musik, oder selbst nur die Annehmlichkeiten eines gesunden
Familienlebens zu gemessen, und es ist kein Wunder,
wenn er in Alkohol oder anderen rohen Vergnügungen Betäubung
sucht. Alle kompetenten Beobachter, Lehrer, Geistliche
und Soziologen bezeugen, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit
das Niveau der Gesamtheit gehoben, Trunksucht und Verbrechet!
gemindert hat. Wenn der Arbeiter das Stimmrecht verdient,
gebühren ihm auch einige Stunden täglicher Erholung; es gibt nicht
nur einen Anspruch auf Lohn, sondern auch ein liecht auf Leben.
Der Versuch, die Forderungen der Gewerkschaften dadurch