Object : Die Entwicklung der Weißgerberei

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0  Gerberzeitung  1867,  S.  168.

•■)  Vgl.  S.  121.

alle  zur  Herstellung  dieses  Fabrikates  nötigen  Roh-  und  Hilssstoffe
lieferte  das  umliegende  Land.
Regierungsmaßnahmen  aller  größten  Stiles  müssen  ins  Werk  gesetzt
werden,  wenn  es  sich  darum  handelt,  eine  wanderndeBevölkerungsmasse
  zum  Träger  eines  Produktionsprinzips  zu  machen.  Das  Wesen
der  Regierungsmaßnahmen  ist  in  beiden  Fällen,  ob  der  Träger  eine
einzelne  Person  oder  eine  Bevölkerungsmasse  ist,  das  gleiche;  Schulbeispiele ­
  hierfür  sind  die  Kolonisationen  durch  die  Hugenotten,  die  Waldenser, ­
  die  Wallonen,  die  Schweizer,  die  Menoniten,  die  Salzburger;  der
Gesichtspunkt,  unter  welchem  die  Bewegung  von  Produktionsprinzipien
in  solchen  Füllen  erfolgt,  ist  weniger  die  Einführung  der  Methode,
dieser  allerdings  auch,  aber  vielmehr  noch  ist  es  die  Lösung  eines  Bevölkerungsproplems,
  welches  als  Folge  welthistorischer  Vorgänge  sich
eingestellt  hat.  Für  die  Geschichte  der  Gerberei  sind  von  Bedeutung
hauptsächlich  die  Hugenotten  geworden,  welche,  ebenfalls  vielfach  privilegiert ­
  und  unterstützt,  die  Glacegerbung  aus  Frankreich  über  ganz
Europa  verbreitet  haben.  Glacegerbung  als  reines  Produktionsprinzip
war  auch  früher  nicht  unbekannt.  Die  Mainzer  Handschrift  des  14.  Jahrhunderts ­
  kennt  unter  anderem  auch  eine  Vorschrift  zur  Gerbung  nach
Glaceart.  „Nach  Enthaarung  des  Felles  nimm  warmes  Wasser  und
löse  Alaun  darin  auf,  so  daß  auf  zwei  Häute  ein  Stück  in  der  Größe
eines  Eies  kommt,  hänge  die  Haut  hinein  und  laß  die  Lösung  eindringen.
Hat  man  dann  die  Haut  aus  dem  Alaunwasser  genommen,  so  mische
man  sogleich  das  nämliche  Wasser  mit  Eiern,  sechs  bis  sieben  Stück
auf  zwei  Häute;  in  dieses  Wasser  kommt  die  Haut  wieder,  wird  aber
beim  Herausnehmen  nicht  mehr  ausgedrückt,  sondern  man  läßt  sie  im
Dunkeln  trocknen.  Ist  sie  trocken,  so  reibt  und  reckt  man  sie  über  ein
Seil."  Nach  einer  anderen  Vorschrift  besteht  die  Gare  aus  Eiern,  Mehl
und  Alauns.  Daß  das  Kochsalz  hier  fehlt,  ist  nicht  von  Bedeutung,
weil  die  Vorschriften  keine  systematischen  Beschreibungen  der  Verfahren
sind,  sondern  weil  sie  nur  einzelne  Manipulationen  betreffen.  Interessant
ist,  daß  die  Gerbung  mit  Alaun  und  die  Gerbung  mit  Eiern  nacheinander
ausgeführt  werden.  Der  Grund,  warum  das  Verfahren  nicht  damals
schon  allgemeiner  ausgeführt  wurde,  ist  vielleicht  der,  daß  die  Nachfrage
fehlte;  erst  als  Ludwig  XIV.  für  weiße  Glacehandschuhe  und  damit
für  Glaceleder  lebhafte  Nachfrage  erzeugte,  kam  die  Methode  in  Schwung
und  ist  seitdem  ein  Bestandteil  der  abendländischen  Kultur  geworden.
Ich  habe  früher  für  Speier  aus  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts
berichtet  ^),  daß  dort  nur  wenige  Handschuhe  getragen  wurden;  daraus
sieht  man,  daß  die  starke  Nachfrage  nach  Glacehandschuhen  die  fran-
            
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