554 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
und bei Nisch in Serbien zu schlagen, worauf, im weiteren Verfolge
des Donauweges, am 14. Oktober Widin erobert wurde: schon
konnte man, durch diese wichtige Festung gesichert, Winterquartiere
in der Wallachei nehmen und die längst ins Auge gefaßte Insur—
rektion der Christen in den inneren Balkanländern beginnen.
Allein das Jahr 1690 brachte einen Rückschlag. In der
Türkei raffte man sich, nach so viel Mißgeschick, zu einer letzten
Anstrengung auf; ein neuer, energischer Großvezier, Mustafa
Köprili, führte eine Reorganisation der zerfallenen Streitkräfte
durch; Anfang 1690 erschien er mit 1830000 Mann im Felde,
unterstützt von den Kuruzzen Tökölys, den der Sultan zum
Fürsten von Siebenbürgen ernannt hatte. Rasch nahm er
Widin, dann Nisch, auch Orsowa und Semendria; am 8. Oktober
endlich fiel ihm Belgrad unter den Folgen einer unglücklichen
Pulverexplosion zu: die Kaiserlichen sahen sich auf das linke
Donau- und Sauufer zurückgeworfen; genug noch, daß sie
Esseg in tapferer Verteidigung hielten und in Siebenbürgen
nicht jeden Einflusses beraubt wurden.
Aber diese Fortschritte der Türken entfachten wiederum
auch auf deutscher Seite, unter den Truppen wie in der
Wiener Hofburg, die zäheste Energie. Mit hohem Eifer rüstete
man für das Jahr 1691; man scheute sich nicht, von der
westlichen gegen Ludwig XIV. kämpfenden Armee zunächst
Truppen zurückzuziehen; abgesehen von detachierten Heeren
konnte der Markgraf von Baden im Juli mit einem Haupt-—
heere von etwa 40000 Mann ins Feld ziehen. Aber ihnen
standen Türken in überlegener Anzahl gegenüber, zudem unter⸗
stützt durch Artillerieoffiziere und Ingenieure, die Ludwig XIV.
zesandt hatte. Dennoch: in der Schlacht von Slankamen,
am Zusammenflusse etwa von Drau und Donau, südöstlich
Peterwardein, wurden die Türken am 19. August 1691 ver⸗
nichtend aufs Haupt geschlagen: es war die militärische Meister—
tat des markgräflichen Feldherrn. Man schätzte den Verlust
der Türken auf 20000 Mann, eine große Anzahl von hohen
militärischen Würdenträgern, darunter der Großvezier Köprili,
war gefallen; unermeßlich war die Beute, die das in auf—