Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

VI 
Vorrede. 
sich hierbei stützt, zuletzt „subjektiv“ sind, ist freilich wahr; 
aber es besagt nichts anderes, als dass unsere Einsicht hier wie 
überall durch die Regel und das Gesetz unserer Erkenntnis 
bedingt ist. Die Schranke, die hierin zu liegen scheint, ist 
überwunden, sobald sie durchschaut ist, sobald die unmittelbar 
gegebenen Phänomene und die begrifflichen Mittel für ihre theo- 
retische Deutung nicht mehr unterschiedslos in Eins verschwim- 
men, sondern beide Momente sowohl in ihrer Durchdringung, wie 
in ihrer relativen Selbständigkeit erfasst werden. — 
Die Abgrenzung des Stoffgebiets und die leitenden Gesichts- 
punkte für seine Behandlung habe ich in der Einleitung zu be- 
gründen gesucht. Die allgemeine Fassung der Aufgabe verlangte, 
dass die Betrachtung nicht auf die Abfolge der einzelnen philoso- 
phischen Systeme beschränkt, sondern stets zugleich auf die Strö- 
mungen und Kräfte der allgemeinen geistigen Kultur, vor allem 
auf die Entstehung und Fortbildung der exakten Wissenschaft, 
bezogen wurde. Diese Erweiterung hat es verschuldet, dass der 
erste Band, der hier erscheint, über die Anfänge der neueren 
Philosophie nicht hinausreicht. Der Reichtum der philosophischen 
und wissenschaftlichen Renaissance, der heute noch kaum er- 
schlossen, geschweige bewältigt ist, forderte überall ein längeres 
Verweilen; wird doch hier der originale und sichere Grund für 
alles Folgende gelegt. Der zweite Band wird mit der englischen 
Erfahrungsphilosophie beginnen, um sodann, in einer doppelten 
Richtung, die Entwickelung des Idealismus von Leibniz an und 
den Fortgang der Naturwissenschaft von Newton an zu verfolgen; 
beide Ströme vereinigen sich in der kritischen Philosophie, 
mit deren Darstellung das Werk seinen Abschluss erreichen soll. 
Die Vorarbeiten zu diesem Bande sind so weit fortgeschritten, 
dass er, wie ich hoffe, in Kurzem erscheinen wird. 
Berlin. im Januar 1906. 
Ernst Cassirer.
	        
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