Das Absolute und der „tätige Verstand“.
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die Selbständigkeit und Freiheit des Denkens so zu bestimmen,
dass darüber die Einheit des Ich und des Menschen nicht ver-
loren geht: deutlicher noch spricht er aus, dass der Intellekt hin-
sichtlich seiner begrifflichen Leistung, nicht hinsichtlich seines
konkreten Seins als „rein und unvermischt“ zu bezeichnen ist.
Die volle immanente Begrenzung des Denkens und seiner Tätig-
keiten indes wird auch bei ihm nicht erreicht: auch bei ihm
ist es im letzten Grunde der absolute „göttliche Geist“, der die
„Phantasmen“, der unsere sinnlichen Vorstellungsbilder durch-
leuchten und erhellen muss, damit sie sich zu den reinen wahr-
haften Begriffen entwickeln. Die Vorstellung würde, sich selbst
und ihrer eigenen Natur überlassen, stets beim Einzelnen ver-
harren: es bedarf einer äusseren jenseitigen Mitwirkung, um den
Geist zur Erfassung des Allgemeinen zu befähigen und zu erheben.
Nur soll das „Absolute“ nicht mehr, wie bisher, als unmittelbare
Triebkraft in den Mechanismus des seelischen Geschehens ein-
greifen, sondern als ein ideeller Zielpunkt gedacht werden, den
sich das Denken vorhält und der der Entwicklung seiner eigenen
Kräfte die Richtung gibt. Nicht als tatsächliche bewegende Ur-
sache, sondern als vorgestecktes und vorgesetztes Ziel, nicht
durch sein „substantielles“, sondern durch sein „vorgestelltes“
Sein wirkt der reine aktive Intellekt auf die Entfaltung und
Klärung des Bewusstseins ein: „intellectus activus est agens ut
intelligibilis et agit ad modum objecti“. Es ist der „passive“, der
menschliche Intellekt, der, indem er die sinnlichen Eindrücke
und Spezies beurteilt, den Akt der Erkenntnis hervorbringt;
aber er vermöchte diese Leistung nicht zu vollziehen, wenn er
in ihr nicht über seine eigenen Grenzen hinausblickte.#) So
zeigt sich auch hier das charakteristische Doppelmotiv, das der
gesamten gedanklichen Bewegung, die wir verfolgt haben, zu
Grunde liegt: das „Absolute“ kann nicht völlig entbehrt werden,
aber es wird als eine Forderung verstanden, die der Geist selbst
sich vorhält, so dass es nunmehr gleichsam in die Substanz des
Bewusstseins verschmolzen und umgewandelt wird. —