Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Schrift „gegen die Pseudodialekhtiker“. 
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logen „über die Lust“ spricht, decken die innerste Gesinnung der 
humanistischen Kritiker auf und legen den Grund dafür bloss, dass 
von hier aus eine positive wissenschaftliche Erneuerung der Logik 
nicht zu leisten war. — 
Dass trotz alledem die Anregung und der Anstoss, der hier 
einmal gegeben war, geschichtlich weiterwirkte, lehrt das Beispiel 
eines Denkers, bei dem sich das polyhistorische Wissen der Zeil 
bereits mit einer philosophischen Grundabsicht, mit der Tendenz 
zu einer durchgehenden Reform des Erziehungswesens ver- 
bindet. In Lodovico Vives’ Schrift „gegen die Pseudodialek- 
tiker“ wird nicht mehr einzig vom Standpunkt der Grammatik, 
sondern zugleich von dem der Pädagogik das Gericht am scho- 
lastischen Ideal des Wissens vollzogen. Die Ausbildung in der 
Dialektik spiegelt dem Geiste einen scheinbaren Besitz vor, durch 
den er von der Erwerbung gründlicher Kenntnisse zurückgehalten 
und gegen die Kriterien und Forderungen der Gewissheit und 
Notwendigkeit abgestumpft wird. In dem Bilde, das Vives von 
dem Zustand des gelehrten Unterrichtes seiner Zeit entwirlt, 
spürt man, durch allen rhetorischen Schmuck hindurch, die 
Kraft und Wahrheit eines persönlichen Bekenntnisses. „Du selbst 
und meine Mitschüler — so schreibt er an Johannes Fortis — 
bist Zeuge, dass ich diesen Wahnwitz nicht nur oberflächlich 
gekostet, sondern bis in sein Innerstes eingedrungen bin. Nicht 
um mich zu rühmen sage ich es, denn wahrlich, ich erblicke 
darin keinen Grund zu Ruhme. Hätte ich es doch in diesen 
Dingen weniger weit gebracht; denn was ich so mit noch unbe- 
rührtem und empfänglichem Geiste in mich aufgenommen habe, 
haftet nun so fest in mir, dass ich mich durch keine Kunst 
davon zu lösen vermag und dass es mir wider Willen immer 
wieder entgegentritt und mich in meiner gegenwärtigen Be- 
trachtung hemmt. So habe ich nur den Wunsch, das zu ver- 
lernen, was andere eifrig zu lernen sich mühen, so möchte ich 
nur, dass man dieses Wissen wie ein Kleid vertauschen oder wie 
Geld und Waren verschenken könnte. Wenn es so Manchen 
gibt, der diese Kostbarkeiten um hohen Preis zu kaufen wünscht, 
so gäbe ich viel darum, mich dieser unwissenden Gelehrsamkeit 
entledigen zu können.“ In der weiteren Ausführung, aus der man 
ein anschauliches Bild der allgemeinen Kultur der Zeit gewinnt.
	        
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