Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

134 Die Auflösung der scholastischen Logik. — Giacomo Zabarella, 
reitet den Gedanken einer philosophischen Einheitswissenschaft 
vor, die an den „realen“ Einzelwissenschaften selbst ihren Halt 
und ihren Grundstoff besitzt. 58) 
Wie gebieterisch diese neue Forderung sich allenthalben 
durchsetzt, das beweist, deutlicher als alle Angriffe auf die Scho- 
lastik, die Richtung, die nunmehr die Aristotelische Logik bei 
ihren eigenen getreuen Anhängern nimmt. Hier erst vollzieht 
sich die wahrhafte, immanente Kritik. In den logischen Schriften 
Zabarellas, die im 16. Jahrhundert als anerkannte und mass- 
gebende Lehrbücher weit verbreitet waren, begegnen und mischen 
sich die überlieferten und die modernen Elemente. An dem Syl- 
logismus, als einzigem und grundlegendem methodischen Mittel, 
wird hier noch in aller Strenge festgehalten: „definitio methodi 
a definitione syllogismi non differt“. Wenngleich er indes als 
Gattungsbegriff für alle gedauklichen Verfahrungsweisen (com- 
mune genus omnium methodorum et instrumentorum logicorum), 
als das logische Instrument schlechthin anerkannt bleibt,) so wird 
doch in die Beschreibung und Darstellung des syllogistischen 
Verfahrens selbst ein Gesichtspunkt eingeführt, der der mittel- 
alterlichen Logik fremd geblieben war. Zwei verschiedene Arten 
des Schlusses, zwei Richtungen des Fortgangs vom Bekannten 
zum Unbekannten werden von Anfang an auseinandergehalten. 
Neben die „compositive“ Methode des Beweises, die die einzelnen 
gegebenen Praemissen und Bausteine synthetisch aneinanderreiht 
und zu einem bestimmten Ergebnis und Schlusssatz zusammen- 
fügt, steht die Zerlegung eines Begriffsinhalts in die Mannig- 
(altigkeit seiner Momente und Bedingungen. Die Aufgabe der 
Logik wird erst durch die Vereinigung und Durchdringung dieser 
beiden Methoden erschöpft. Die Natur der Erkenntnisobjekte- 
wie die Zergliederung des Erkenntnisprozesses führt mit Not, 
wendigkeit auf diese Unterscheidung und Gliederung: denn immer 
handelt es sich darum, die Wirkung aus der Ursache zu er- 
schliessen und kennen zu lernen, oder aber die bekannte Wirkung 
resolutiv in ihre Ursachen und Teilbedingungen aufzulösen. 
Eine andere Beziehung zwischen Begriffen kann es nicht geben: 
denn wo zwei Elemente a und b nicht, wenigstens mittelbar, im 
Verhältnis von Ursache und Wirkung stehen, da besteht zwischen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.