Die Logik der Induktion.
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langen würde, ist das Verfahren der Wissenschaft dadurch aus-
gezeichnet, dass in ihm unser Geist an einzelnen besonderen Bei-
spielen sogleich das allgemeine Gesetz ihres Wesenszusammen-
hangs entdeckt und durchschaut: ein Gesetz, das er alsdann wie-
der auf die besonderen Tatsachen anwendet und an ihnen be-
währt.) Alle diese Ausführungen sind von Galileis Methoden-
lehre, in der wir sie völlig gleichlautend wiederfinden werden,
nur durch einen einzigen Zug getrennt, der allerdings entscheidend
ist. Die Rolle, die der Mathematik in der „beweisenden Induk-
tion“ zukommt, wird von Zabarella nirgends begriffen: die Bei-
spiele, auf die er sich für seine neue Grundanschauung beruft, sind
nicht der exakten Wissenschaft, die erst in vereinzelten Ansätzen
vorlag, sondern der Metaphysik und Naturlehre des Aristoteles
entnommen.‘) Gerade in dieser Beschränkung liegt die wesent-
liche geschichtliche Eigentümlichkeit seiner Leistung, die man
als eine Umbildung und Umdeutung des Aristotelischen Erfah-
rungsbegriffs in den modernen Begriff der analvtischen Induktion
bezeichnen kann. ®)
Besonders deutlich tritt dieser Grundzug in der Monographie
hervor, die Zabarella seinem neuen methodischen Hauptgedanken
gewidmet hat. In der Schrift „de regressu“ ist die positive Dar-
stellung und Entwicklung der resolutiven Methode überall durch
die Rücksicht auf den Aristotelischen Text und auf die logische
Schulüberlieferung beengt. Vor allem ist Zabarella hier bemüht,
den analytischen Gang der Entdeckung und Begründung von
dem Zirkelbeweis zu scheiden, mit dem er nach seiner äusser-
lichen schematischen Form zusammenzufallen droht. Die charak-
teristische Eigentümlichkeit des logischen Zirkels liegt darin,
dass bei ihm Anfangspunkt und Endpunkt zusammenfallen, dass
zuvor B aus A und sodann wiederum A aus B bewiesen wird.
Hierin aber scheint er dem logischen Doppelverfahren, das wir
bisher betrachtet, unmittelbar verwandt: denn auch bei diesem
findet die Untersuchung ihre Grenze und ihren Abschluss bei
demselben Objekt und bei derselben Tatsache, von der sie aus-
gegangen war. Wir bleiben nicht bei dem abstrakten Inbegriff
von Bedingungen stehen, den wir durch Zerlegung einer be-
stimmten Naturerscheinung gewinnen, sondern suchen die Er-
scheinung selbst aus ihm wiederum zu rekonstruieren und auf-