Die regressive Methode und der ‘Zirkelschluss. 139
ist, mit dem es begonnen: da doch die Erkenntnisart mannig-
fache Wandlungen erfahren und streng von einander abgegrenzte
Stufen durchlaufen hat. Noch einmal stellt Zabarella alle diese
Einzelphasen in genauer Abgrenzung einander gegenüber. Was
uns zunächst gegeben ist, ist nur die Kenntnis des einzelnen Effekts,
die nakte Tatsachenwahrheit, die uns nichts über den Zusammen-
hang und den Ursprung des besonderen Faktums verrät. Der
nächste Schritt besteht darin, das complexe Faktum in seine
einzelnen Bestandteile und Merkmale zu zerlegen und die einzelnen
Begleitumstände festzustellen, unter denen es aulftritt. Wenn wir
indes auf diese Weise die „Bedingungen“ einer bestimmten Er-
scheinung erfahrungsmässig festgestellt haben, so wäre es dennoch
irrig zu glauben, dass wir in ihnen schon die wahrhafte „Ursache“
erfasst und bestimmt haben. Was uns bis hierher bekannt ist,
ist das empirische Beisammen und die zeitliche Abfolge der
Elemente, nicht die Art und die begriffliche Notwendigkeit ihres
Zusammenhangs: Um hierein Einsicht zu erhalten, müssen wir
vorerst. und noch ehe wir den Rückweg zur Ableitung der
Wirkung antreten, bei der hypothetisch angenommenen Ur-
sache verweilen, um sie einer gedanklichen Zerlegung und Prüfung
zu unterziehen. Erst in solcher reflexiven Besinnung (mentale
ipsius causae examen) wird die Ursache, die uns zuvor nur als
ungegliedertes „verworrenes“ Ganze gegeben ‚war, zu Clnem
distinkten begrifflichen Inhalt.“ Haben wir etwa zuvor das
Feuer als eine Bedingung erkannt, die dem Rauch beständig voran-
geht, so suchen wir jetzt, gleichsam vermo0ge EINES gedanklichen Ex-
periments, seine einzelnen Merkmale zu isolieren und uns den Zu-
sammenhang, den sie etwa mit der Erscheinung des Rauches haben
können, begrifflich vorzustellen. Nachdem wir auf diese Weise
die wesentlichen Merkmale von den unwesentlichen gelrennt und
den Ursachencomplex A in eine Reihe von Teilbedingungen aßy...
aufgelöst haben, können wir daran gehen, die einzelnen Kompo-
nenten gedanklich zusammenzufügen, um den Erfolg deduktiv
aus ihnen hervorgehen zu lassen. Drei verschiedene Schritte
treten also deutlich auseinander: während der erste uns von der
Wirkung, die wir unbestimmt und verworren erfassen, zu einer
vagen und verworrenen Vorstellung der Ursache: führt, besteht
der zweite in einer „geistigen Betrachtung“, durch die wir zu