Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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verteilt. Aber mit derlei Vorschriften findet man gegenüber dem ununter 
brochenen Anwachsen des Verkehrs nicht das Auslangen. Eine Möglichkeit 
radikaler Abhilfe sei im folgenden kurz angedeutet: 
Bis jetzt dienen die Trambahnlinien in den Städten so gut wie ausschließ 
lich dem Transport von Personen; die Fälle, in welchen man sie für andere 
Transportzwecke verwendet, insbesondere für den Pcsidienst, sind selten. 
Daher werden Trambahnlinien fast nur in den Hauptverkehrsadern angelegt, 
wo der Personenverkehr am einträglichsten ist. Wenn man den Warentrans 
port durch Trambahnen ausgestaltete und systematisch regelte, könnte man 
Straßen, welche heute der Trambahnlinien entbehren, mit solchen versehen 
und sie so auch dem Personentransport eröffnen. 
Diese Ausdehnung des Trambahnnetzes kann allmählich ge 
schehen. Zunächst könnte man gemischte Züge organisieren, welche nicht 
nur die Reisenden, sondern auch das Gepäck, zumindest das leichte Gepäck 
zu den Bahnhöfen befördern und von dort abholen könnten. Hierzu würde 
es genügen, gewisse Haltestellen zu vergrößern, indem man z. B. bewegliche 
Plattformen errichtet, auf welche man das Gepäck aufstapelt, um es dann 
durch eine einfache Hebel Vorrichtung in den Trambahnwagen zu laden, so 
daß der Aufenthalt der Wagen nicht länger zu währen brauchte, als gegen 
wärtig. Es ist verwunderlich, daß solche Vorrichtungen nicht überhaupt in 
Verwendung sind, nicht einmal bei den Eisenbahnen, wo man täglich be 
obachten kann, daß die Verladung des Gepäcks in Personenzüge oft mehr 
Zeit in Anspruch nimmt, als das Aus- und Einsteigen der Reisenden, ein Nach 
teil, welcher vermieden wäre, wenn die auf einer beweglichen Plattform auf 
gestapelten Gepäckstücke mit dieser in die Waggons geschoben würden. 
Die vollständige Aufsaugung des gegenwärtigen Stadtver 
kehrs durch die Straßenbahnen, insbesondere durch die der Kom 
mune, kann sich aut verschiedene Weise abspielen. Zum Beispiel könnte die 
Kommune Schienen in allen Straßen legen und den Interessenten, besonders 
Kaufleuten und Industriellen, gestatten, gegen eine gewisse Entschädigung und 
unter der Bedingung, einen bestimmten Stundenplan einzuhalten, diese Linien 
mit eigenen Wagen zu befahren. Es wäre auch möglich, jene Straßen und 
Zeiten, wo der Personenverkehr weniger dicht ist, dem Warenverkehr zuzu 
weisen. 
Später könnte der gesamte Betrieb unter einer einzigen Leitung vereinigt 
werden und ganz in die Hände der Kommunen übergehen, wobei es den inter 
essierten Firmen gestattet bleiben könnte, ihre eigenen Wagen beizustellen, 
wie dies heute bei den Eisenbahnen der Fall ist. 
Ist man einmal so weit, so verschwindet der sonstige Verkehr von Wagen, 
Fiakern, Automobilen usw. im Innern der Stadt vielleicht ganz oder wird auf 
ein Minimum beschränkt. Mit fortschreitender Entwicklung wird man wohl 
in jeder Stadt zwei Linien sehen, eine für die Eiltransporte, die andere für 
die Lastentransporte. Ausweichstellen und Verzweigungen — insbesondere für 
die großen Geschäfte — werden die Stauungen verhüten, wenn Waren zu ver 
laden sind. Man könnte natürlich für diese Zwecke vervollkommnete und 
überall gleichartige Apparate verwenden, wie dies in Häfen und 
vielen großen Industrieunternehmen geschieht, statt daß man sich auf un 
würdige Weise, wie dies heute in den Städten der Fall ist, der menschlichen 
Kraft bedient, um von mehreren Männern im Schweiße ihres Angesichts und 
auf eine Weise, die oft sehr zu wünschen übrig läßt, Lasten zu transportieren, 
die ein Kran in wenigen Sekunden an den &stimmungsort schaffen könnte. 
Die angedeutete Zurückgebliebenheit ist nicht vereinzelt. Aufzüge z. B. und 
insbesondere Lastenaufzüge sind noch lange nicht allgemein verbreitet. 
Man kann vorläufig nicht voraussehen, ob man nicht in den weniger 
wichtigen Straßen schmalspurige Linien ein richten wird, die für den Hand 
wagenverkehr bestimmt wären, oder mindestens neben allen Linien, welche 
dem Wagen verkehr dienen. Viele Umstände sprechen zugunsten der Ein 
führung schmalspuriger Linien, zumal diese auch dem Verkehr von Haus zu 
Haus dienen könnten, für den aber auch leicht konstruierte Schwebebahnen 
oder „Trottoirs roulants“ in Betracht kämen.
	        
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