Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Die Naturphilosophie. — Campanella.

Thomas von Aquino sie entwickelt hatte und wie sie uns in
der neueren Zeit machtvoll! und tiefsinnig noch einmal bei
Dante begegnet. Die Liebe, mit der jedes Wesen sich selbst
und die äusseren Objekte des Begehrens umfasst, enthält die
Hindeutung und Tendenz auf das göttliche Sein bereits unmittelbar
 in sich: das Individuum müsste seines Daseins verlustig
gehen, sobald es sich dieses seines innersten Grundtriebes entäussern
 könnte.) Und wie alles Streben sich unbewusst auf
diese höchste und letzte Einheit richtet, so ist auch der Akt
des Erkennens nichts anderes als eine Verschmelzung mit der
höchsten allumfassenden Vernunft: bei Campanella findet sich, wie
bei Augustin und Ficin, der Satz, dass alles reine und „apriorische“
Wissen, das nicht an den einzelnen sinnlichen Beispielen haftet.
ein Schauen der Dinge in Gott ist.)
Tiefer in den eigentlichen Mittelpunkt der Frage hineın
[ührt uns indes die zweite Richtung der Betrachtung, durch die
wir in die unmittelbare Nähe der Anfänge der neueren Philosophie
 versetzt werden. Der Zweifel selbst schliesst eine Gewissheit
 ein: wer zweifelt, der bekundet damit, dass er weiss, was
„Wahrheit“ und „Wissen“ bedeutet, da er sonst beides nicht einmal
 negativ als Maasstab brauchen könnte. Die Behauptung des
Nichtwissens hebt somit zwar einen bestimmten angeblichen Besitz
 der Erkenntnis, nicht aber diese selbst in ihrem Begriffe
auf. Und über diesen abstrakten Begriff hinaus erschliesst uns
der Zweifel zugleich die fundamentale Tatsache, auf die fortan
alle Evidenz zu gründen ist: „wir vermögen zwar zu denken,
dass es keine Dinge gibt, nicht aber, dass wir selbst nicht existieren,
denn wie vermöchten wir zu denken, ohne zu sein?“54) Mit
diesen Sätzen wird Campanella zum Vermittler zwischen Augustin,
auf den er ausdrücklich zurückweist, und Descartes. Schon innerhalb
 der Schule des Telesio zeigte sich das Problem der Selbsterkenntnis
 als die eigentliche innere Schranke, die der Entwicklung
 der naturphilosophischen Prinzipien gesetzt war. Denn
alles Wissen setzt nach diesen Prinzipien eine Einwirkung des
Gegenstandes auf unsere Organe, setzt also eine ursprüngliche
Verschiedenheit zweier Seinselemente und deren schliesslichen
Ausgleich voraus. (Vgl. S. 220 f.) Wo dagegen, wie im Selbstbewusstsein,
 eine vollkommene Identität zwischen dem Akt
            
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