Die Entstehung der exakten Wissenschaft,
nicht nur die Gedankenentwicklung blossgelegt, die ihn selber zur
Entdeckung der Ideenlehre geleitet hat, sondern zugleich den
Weg vorgezeichnet, auf dem die geistige Kultur der Menschheit
künftig zur Entdeckung der deduktiven Wissenschaft fortschreiten
sollte. Für die innere Kraft und die sachliche Tiefe der Grund-
gedanken des Idealismus bildet dieses geschichtliche Verhältnis
len überzeugenden mittelbaren Beweis. Der Gegensatz, der hier
gezeichnet ist, charakterisiert in geschichtlicher Treue und Wahr-
heit den Widerstreit, in dem die Anfänge der modernen, me-
thodischen Forschung sich gegenüber der Naturphilosophie
der Renaissance fanden. Wieder war es hier der „Sinn“ — der
äussere, wie der innere — der sich mühte, mit dem Wesen der
Dinge zu verschmelzen, um auf diese Weise ihr Geheimnis zu
anträtseln. Und wiederum wurde auf diesem Wege nicht die Er-
fahrung, nicht die gesetzliche Ordnung und Gliederung des
Seins, sondern nur ein phantastisches Schattenbild der Wirklich-
keit ergriffen; nicht die exakte Beobachtung, sondern die vage
sinnliche Analogie entschied über den Zusammenhang der Er-
scheinungen. Der Zweckbegriff sollte durch den Kraftbegriff
verdrängt werden, aber der sachliche Gehalt dieses Begriffs selbst
Dlieb gänzlich innerhalb der Grenzen der anthropomorphistischen
Auffassung. Ein Beispiel, das für dieses Verhältnis und für die
Schranken der Denkart typisch ist, bildet die Erklärung, die Te-
lesio für das Anwachsen der Fallgeschwindigkeit gibt: wie der
Mensch sich einer unwillkommenen Notwendigkeit rasch zu ent-
'edigen trachtet, so streben auch die Körper danach, ihre Bewegung
zegen das Erdzentrum, die sie wie einen lästigen Zwang empfinden,
zu beschleunigen.) Die Empfindung geht unmittelbar auf den
Gegenstand über; nur wenn wir uns mit dem eigenen Triebe und
der eigenen Begehrung in das Wesen der Dinge hinein versetzen,
können wir hoffen, es zu verstehen. Die Wissenschaft beginnt
mit der Aufhebung dieses Problems: die Beschleunigung wird
für sie zum Gegenstand, sofern unter ihr nicht ein innerer Zustand
der Körper, sondern eine rein numerische Beziehung und Ge-
setzlichkeit gedacht ist, die sich unabhängig von den „Sub-
stanzen“, an denen sie sich darstellt, begreifen und zur Dar-
stellung bringen lässt. Der Weg zur Natur führt durch die
höyor in dem doppelten Sinne, in dem sie sowohl die Vernunft-