Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

308 Die Entstehung der exakten Wissenschaft. -— Galilei, 
fassung nur wie ein beliebig auftauchender und verschwindender 
{nhalt erscheint, zur Realität im Sinne der Erkenntnis, zur dau- 
ernden und bestimmten „Wesenheit“ wird. — 
Wir müssen an diesem Punkte länger verweilen: denn hier 
stehen wir an einem Wendepunkt, an dem sich die Zeitalter 
scheiden. Um uns den Stand des Problems, wie Galilei ihn vor- 
land, völlig zu vergegenwärtigen, dürfen wir nicht sowohl die 
Aristotelische Ansicht selbst, wie ihre Ausführung und Darstellung 
in der neueren Naturphilosophie zu Grunde legen. Hier bietet uns 
insbesondere die Bewegungslehre des Fracastoro ein typisches 
Beispiel: denn dieser fasst die überlielerte Theorie noch einmal 
prägnant zusammen, wie er anderseits, als Arzt und Naturforscher, 
bemüht ist, sie der Erfahrung und Einzelbeobachtung zu nähern 
and anzupassen. Die inneren Schwierigkeiten, die sich der neuen 
Fragestellung entgegenstellten, können wir uns hier am Beispiel 
eines Denkers verdeutlichen, der die Bekämpfung der „dunklen 
Qualitäten“ und die Erforschung der echten, realen Mittelursachen 
bereits als Grundaufgabe der Forschung erkennt und ausspricht. 
Auch bei ihm ist es noch der Begriff der qualitativen Ver- 
wandtschaft und des qualitativen Gegensatzes, der für die 
Erklärung der räumlichen Ordnung eintritt, Die Lage und rela- 
tive Stellung der einzelnen Elemente entspricht dem Grade ihrer 
innerlichen Zusammengehörigkeit. Aus dem Triebe der Selbst- 
erhaltung, der jedem Naturkörper eingepflanzt ist, folgt zunächst 
der Ausschluss des leeren Raumes. Alle Elemente streben nach 
wechselseitiger Berührung, da sie in ihr allein ihren Fortbe- 
stand wahren und sichern können: denn das Vacuum ist, als 
der ausgeprägte logische Gegensatz gegen den Begriff des Kör- 
pers, zugleich eine beständige Bedrohung ihrer physischen Exi- 
stenz.12) Der gleiche allgemeine Gesichtspunkt erklärt weiterhin 
die bestimmte örtliche Gliederung: Jedes Element nimmt „seiner 
Natur nach“ denjenigen Ort ein, in dem es von fremden Ein- 
wirkungen und widerslreitenden Eigenschaften am besten ahge- 
sondert und geschützt ist. So hat das Feuer seinen Platz zwischen 
der konkaven Wölhung oberhalb der Mondsphäre und der äusse- 
ren Grenze der irdischen Atmosphäre: hier grenzt es auf der 
einen Seite an die Region des Lichtes an, der es durch die Qua- 
iität der „Trockenheit“ verwandt ist, auf der andern an die Re-
	        
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