Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Rangverhältnis zwischen „Sein“ und „Wirken“. 309

gion der Luft, mit der es die Qualität der Wärme teilt. Analog
kommt der Luft die Stellung zwischen Feuer und Wärme zu, die
ihr am angemessensten isi, da sie mit beiden durch die Eigenschaft
 der Wärme bezw. der Feuchtigkeit in Gemeinschaft steht.
Allgemein muss, wo immer wir ein Beisammen von Stoffen oder
eine Aufhebung dieses Beisammen finden, dies auf rein innerliche
Verhältnisse der „Sympathie“ und „Antipathie“ zurückgeführt
werden: sehen wir z. B. die Luft in einem Schlauch durch das
eindringende Wasser verdrängt, so ist dieser Prozess, wie ausdrücklich
 betont wird, nicht rein mechanisch aufzufassen und
zu erklären, sondern beruht auf der Disharmonie, die zwischen
der Natur der beiden Elemente besteht. „Wie die Teile eines
lebenden Wesens unter einander mannigfache Uebereinstimmungen
 und Beziehungen aufweisen, wie sie eine bestimmte
Anordnung und Gliederung verlangen, so bestimmen sich auch
die Teile des Alls, das nicht minder als lebendiger Organismus
 zu denken ist, wechselseitig ihre Lage; wäre dies nicht
der Fall, so würde das Universum selbst sich nicht in seiner gehörigen
 Verfassung hefinden“.!?) Der absolute Charakter des Subjekts
 entscheidet über die Beziehungen, in die es eingeht: die
Dinge werden geordnet und in Klassen eingeteilt, um aus dieser
Einteilung das Prinzip für die Unterscheidung der Bewegungen
zu gewinnen.!?®) Bei Galilei erst wird der alte Satz: „operari sequitur
 esse“, den die Scholastik der naiven dinglichen Weltansicht
 entlehnt, zu nichte. Er beginnt mit einer allgemeinen Gesetzlichkeit
 des Wirkens, die unabhängig von aller Besonderheit
 der empirischen Objekte allgemeine und notwendige
Geltung beansprucht; erst unter ihrer Voraussetzung werden die
Arten und Gattungen des Seins unterscheidbar. Wir erinnern
uns, dass es der gleiche Grundgedanke war, der für Kepler bei
seiner Aufhebung des Dualismus zwischen irdischer und himmlischer
 Welt bestimmend war. (S. ob. S. 286 f.) In der Geschichte
des Erkenntnisproblems ist nunmehr ein neuer fundamentaleı
Gegensatz zur Klärung und entschiedenen Herausarbeitung gelangt.
 Der alte Widerstreit des „Empirismus“ und „Rationalismus“
 tritt zurück; er wird gegenüber den Systemen Galileis und
Keplers, die durchaus auf der Durchdringung und Wechselbeziehung
 von Erfahrung und Vernunft beruhen, unbestimmt und
            
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