Die Erfahrung als unendliche Aufgabe. 8313
gen.!1%) „Diese einzige Antwort Galileis“ — so urteilt Prantl mit
Recht — „zeigt ein tieferes Verständnis vom Wesen der Induktion.
als all jene phrasenhaften Stellen zusammen, in welchen der ober-
flächliche und grosssprecherische Baco von Verulam über inventio.
experimentum u. dgl. geplaudert hat“,13)
Wenn der Wertbegriff des „Absoluten“ nunmehr allein von
der Art und Geltung unserer Erkenntnisse gebraucht wird, so
erscheint damit zugleich sein Korrelat- und Gegenbegriff unter
einem veränderten Gesichtspunkt: der Begriff der Relation ist
nicht mehr als Hemmung und Widerstreit, sondern als notwendige
Ergänzung für den neuen Sinn des Absoluten zu denken. In der
Tat bildet der logische Grundsatz der Relativität der Bewegung
die notwendige Voraussetzung, unter der Galileis Bewegungsgesetze
erst zur Entdeckung und Aussprache kommen konnten. Solange
die Bewegung als inhärente Eigenschaft eines einzelnen, be-
stimmten Subjekts gedacht wurde, so lange erschien die Ver-
einigung zweier verschiedener Bewegungen in ein und demselben
Körper, wie sie von der Copernikanischen Theorie gefordert war,
in der Tat wie ein innerer Widerspruch. Die qualitativen Grund-
eigenschaften, in denen die Aristotelische Analyse endete, stehen
zu einander in ausschliessendem, kontradiktorischem Verhältnis.
Die blosse Möglichkeit der „Mischung“ und Gradabstufung ent-
hält unter dem Gesichtspunkt der absoluten Gegensätze eine
innere Schwierigkeit und Paradoxie: „wen sollte es nicht ver-
wundern — heisst es wiederum sehr bezeichnend bei Fracastoro —,
dass die feindlichen Qualitäten des Kalten und Warmen, des
Trockenen und F euchten, die einander aufzuheben trachten, sich
dennoch im selben Subjekt mit einander vereinigen und in be-
stimmten Graden nebeneinander bestehen können?“137) Für die
neue Ansicht ist dieses Problem hinfällig geworden. Wie es
innerlich entgegengesetzten Beschaffenheiten möglich ist, sich zu
verbinden und sich gegenseitig zu durchdringen, ist allerdings
zuletzt eine unlösbare metaphysische Frage. Die Verknüpfung
von Relationen aber bietet keine Schwierigkeiten: denn Rela-
tionen sind — nach dem Worte Keplers — „Erzeugnisse des
Geistes“, die somit nicht zu einer dinglichen Einheit verschmelzen,
sondern sich wechselseitig nur zu einer eindeutigen Schluss-
folsgerung. zu einer Einheit des Urteils bestimmen wollen. Die