Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Der Begriff des Minimums. 
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gegeben sind und an die daher jede wissenschaftliche Betrach- 
tung und Forschung anknüpfen zu müssen scheint, haben sich 
für die tiefere logische Analyse als unerkennbar erwiesen. 
Das zusammengesetzte, veränderliche Wesen des Einzelkörpers 
ist dem reinen Begriff und seiner unwandelbaren Einheit dauernd 
iremd und unfassbar. Sobald wir die Untersuchung auf diesen 
bestimmten Himmel und diese bestimmten Gestirne richten, 
die uns vor Augen liegen, haben wir damit das Feld der echten, 
deduktiven Erkenntnis bereits verlassen.5) Die Einzelobjekte, so 
sehr sie uns den Schein einer eigenen selbständigen Natur vor- 
täuschen, haben weder Sein noch Wahrheit.) Mit dieser letzten 
Folgerung ist die Physik in die Metaphysik aufgelöst und aufge- 
hoben. Wie zuvor zwischen Sinnlichkeit und Denken, so tut sich 
jetzt zwischen dem Allgemeinen und Besonderen eine Kluft auf: 
es zeigt sich kein Weg, der das Sinnliche mit dem „Intelligiblen“ 
in Beziehung setzt und es zu ihm hinanführen könnte.) Zwar 
mag das Besondere noch immer den Anlass und Antrieb der 
reinen idealen Erkenntnis bilden: die Hoffnung aber, es in sich 
selber zu begreifen, es bei Erhaltung seiner Eigenart unter uni- 
versellen Beziehungen und Regeln zu verstehen, ist geschwunden. 
Alles Wissen von Tatsachen bleibt bedingt und zufällig: es gibt 
lediglich eine Geschichte, nicht eine exakte Wissenschaft der 
ampirischen Natur.#) Und dennoch war es die moderne, astro- 
nomische Erfahrung, von der Bruno ausgegangen war, dennoch 
ist es dieser Himmel und dieses Sonnensystem, das für ihn das 
Vorbild ist, an dem er seine metaphysische Gesamtanschauung 
des Alls entwickelt. So stehen sich hier zwei Grundmotive, an 
deren jedem die Eigenart und das Schicksal des Systems zu 
hängen scheint, widerstreitend gegenüber. Ks ist eine innere 
Dialektik, die über die bisherigen Festsetzungen weiter treibt, 
die zu einer neuen Würdigung und logischen Wiederherstellung 
les Einzelwesens hindrängt. 
Von diesen Erwägungen aus lässt sich die Wandlung be- 
greifen, die Brunos Philosophie in ihrer letzten Phase: in der 
Schrift „de triplici minimo et mensura“ erfährt. 
In der Tat bedeutet der Begriff des Minimums zunächst 
nichts anderes als einen neuen Halt- und Stützpunkt, den Bruno 
in der Frage nach dem Verhältnis des Allgemeinen und Be-
	        
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