Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Krilik der Minimum-Lehre.

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Prinzip der „Coincidenz der Gegensätze“ im Absoluten selbst
alle diese Unterschiede verschwinden und zur Auflösung gelangen,
 reicht hier nicht aus: was wir suchen, ist ein Mittel;
sie innerhalb unserer endlichen Erkenntnis selbst zum
Begriff und zur Ableitung zu bringen. Wie überall, so zeigt es
sich auch an dieser Stelle, dass Bruno den Gegensatz von Transscendenz
 und Immanenz nicht endgültig zu überwinden vermag.
Wenn er die Grundgebilde, wie Dreieck und Quadrat, dadurch
abzuleiten unternimmt, dass er das einzelne, kreisförmige Minimum
 gleichsam als chemisches Atom betrachtet, das durch die
Verschiedenheit seiner Lagerung unterschiedliche Gestalten
hervorbringt, so hat er hierin den Begriff bestimmter geomeirischer
 Ordnungen und Konfigurationen bereits vorausgesetzt.
Das Minimum soll das universale Maass der Dinge bilden: aber
um es hierzu tauglich zu machen, sieht sich Bruno genötigt, es in
fester Gestaltung und Konkretion zu denken, damit aber die
Beziehungen.der reinen Mathematik implieit bereits anzuwenden
und vorwegzunehmen.
So kann denn die Frage nach dem Verhältnis des Abstrakten
und Konkreten, die, wie wir sahen, das treibende Motiv aller bisherigen
 Untersuchungen war, auch an dieser Stelle nicht zum
Abschluss kommen. Die Einheit des Elements, wie Bruno sie
ursprünglich dachte, erhielt von der Einheit des Intellekts
ihren Sinn und ihre Bedeutung: „mensura“ und „mens“ sind für
ihn, wie für Nikolaus Cusanus, Wechselbegriffe. Das Denken
bietet das vollgültige Beispiel einer Einheit, die nicht aus der
Zerlegung der Mehrheit gewonnen ist, sondern dieser als Anfang
vorangeht und sich in sie entfaltet. Hier fügt sich der Begriff
des Minimums in der Tat dem gedanklichen Zusammenhange
zin, aus dem die Grundlegung der Infinitesimalrechnung hervorgewachsen
 ist: wir können ein bestimmtes Gebilde selbst dann,
wenn wir von seiner extensiven Ausbreitung absehen, noch bezrifflich
 und in seinen qualitativen Eigentümlichkeiten und Verhältnissen
 erhalten denken. (Vgl.a. ob. S. 238 f.) Die neue Auffassung
aber bleibt dadurch beschränkt, dass Bruno sich zu ihrer Durch-[ührung
 lediglich auf das Mittel und die Analogie der diskreten
Zahl hingewiesen sieht, dass alles Denken ihm also im letzten
und höchsten Sinne ein „Zusammensetzen“ bleibt.®) Die beiden
            
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