Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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DeSCArtES. 
verselle Geltung zusprechen, dass wir erwarten müssen, sic „In 
jeder Welt, die Gott nur immer schaffen könnte“, bewahrheitet 
zu finden. Das Prinzip der Erhaltung der Bewegungsquantilät, 
der Grundsatz der Beharrung der Geschwindigkeit nach Grösse 
und Richtung sind von dieser Art. Um sich der ganzen Be- 
deutung dieser Sätze zu versichern, gilt es „für kurze Zeit die 
uns umgebende, unmittelbare Wirklichkeit zu verlassen“ und eine 
andere zu betrachten, die wir vor unserem Geiste fortschreitend 
entstehen lassen. Nicht als ob damit die Art wiedergegeben 
werden sollte, in der die Dinge tatsächlich erschaffen worden 
sind: genug, dass es für unseren Intellekt kein besseres Mittel 
gibt, sie zu begreifen und zu beherrschen.®) Freilich haben wir, 
so evident und notwendig alle Folgerungen sind, die wir auf 
diese Weise gewinnen, keine Gewähr dafür, dass ihnen in den 
wirklichen Erscheinungen irgend eine Anwendung entspricht; 
dass die Bedingungen, die wir hypothetisch zu Grunde gelegt 
haben, sich hier jemals tatsächlich zusammenfinden und damit 
den vorausgesagten Erfolg bestimmen. Wollen wir dessen ver- 
sichert sein, so gilt es, sich von der ideellen Welt des Begriffs, 
die wir bisher vor uns erstehen liessen, wieder zum empi- 
rischen Dasein zu wenden, um in ihm eine Anknüplung zu 
suchen. Die Wahrnehmung gehört zwar nicht zu den „Gründen“ 
der Physik, aber sie formuliert doch die letzte Aufgabe, die 
der Wirklichkeitserkenntnis gestellt ist, und vollzicht die Aus- 
wahl unter der Fülle der an sich gleich möglichen und „wahren“ 
deduktiven Schlussreihen. Der theoretische Teil der Physik 
muss — wie Descartes vor allem am Beispiel der Astronomie 
dartut — durch eine „Geschichte der Phänomene“, durch eine 
rein deskriptive Darstellung des gegebenen Materials „nach 
Baconischer Melhode“ ergänzt werden.) Da die reinen Prin- 
zipien, die wir an die Spitze stellen, so fruchtbar und allum- 
fassend sind, dass aus ihnen weit mehr folgt, als die Erschei- 
nungen, die wir in dieser sichtbaren Welt erblicken, so muss 
mit einer kurzen Beschreibung dieser Erscheinungen selbst be- 
gonnen werden, nicht um sie als Mittel im Beweisverfahren 
zu brauchen, sondern um aus den unzähligen Wirkungen, die 
aus den gleichen Ursachen folgen können, eine Auslese zu treffen
	        
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