Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Descartes.

Geometrie nicht nachsteht: „dies ist nämlich dann der Fall,
wenn die Folgerungen, welche man unter Vorausseizung dieser
Prinzipien gezogen hat, vollständig mit den Erscheinungen im
Einklang sind, die man aus der Erfahrung kennt; besonders
wenn deren Zahl gross ist und vorzüglich, wenn man neue KErscheinungen
 sich ausdenkt und voraussieht, welche aus der gemachten
 Annahme folgen, und dabei findet, dass der Erfolg
unserer Erwartung entspricht. Wenn nun alle diese Wahrscheinlichkeitsbeweise
 zusammenstimmen, so muss dieser Umstand den
Erfolg meiner Forschungsweise in hohem Maasse bestätigen und
es ist kaum möglich, dass die Dinge sich nicht nahezu so verhalten,
 wie ich sie darstelle“,®%) In diesen Sätzen hat Huyghens,
der die spezielle Physik der Cartesianer verwarf und energisch
hbekämpfte, die Forderungen, die Descartes an die Methode der
Erfahrungswissenschaft stellte, gebilligt und bestätigt. Ganz ebenso
hatten die „Prinzipien‘“ Descartes’ ausgeführt, dass wir nicht erwarten
 dürfen, unsere mathematischen Annahmen jemals in absoluter
 Strenge empirisch verwirklicht zu finden, dass uns aber
allmählich eine umso höhere „moralische Gewissheit“ von ihnen
erwächst, als sie sich zur Deutung und zur „Entzifferung“ der
Erscheinungen brauchbar erweisen. ®)
Wenn trotz allem dem Begriff der Erfahrung im Ganzen
der Cartesischen Philosophie mannigfache Schwierigkeiten anhaften,
 so betreffen sie, wie wir jetzt aussprechen dürfen, nicht
die Grundlegung, wohl aber den speziellen Ausbau der
Physik. Hier war es, wo Newtons Kritik einsetzte, die sich von
der Bestreitung der bestimmten Grundannahmen der Cartesianer
zur logischen Verwerfung des Hypothesenbegri{fts überhaupt fortdrängen
 liess. Aber nicht in der Schätzung der „Hypothese“ als
solcher liegt bei Descartes der entscheidende Mangel, sondern darin,
 dass er den stetigen Gang und den geduldigen Ausbau seiner
deduktiv-mathematischen Voraussetzungen verlässt, um unvermittelt
 zu der Erklärung verwickelter konkreter Sonderphänomene
überzuspringen. Mit voller Deutlichkeit tritt uns dies in den
Stossregeln Descartes’ entgegen, die als die speziellen Bewegungsgesetze
 den Gehalt seiner gesamten Physik in sich verkörpern.
Wenn die Ableitung hier nach den strengen Forderungen der
Methode fortschreiten wollte, so musste sie das Prinzip der Kon-
            
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