Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Descartes,

Beispiel der Mathematik kennen gelernt, unmittelbar entzegengeseizt.
 Nicht darum handelt es sich, von einem allgemeinen
 Gattungsbegriff die Sicherheit des Besonderen abzuleiten;
wir dürfen und müssen vielmehr von einer völlig bestimmten
Beziehung, die wir intuitiv erfassen, ausgehen, um sie als Mittel
ınd Element für den Aufbau der komplexen Verhältnisse zu
autzen. Wenn man die mittelalterlichen Gegensätze des Universalienstreits
 zum Maassstab nimmt, so ist Descartes, so sehr er
die reine Funktion des Begriffs und ihre Allgemeinheit betont,
sirenger und konsequenter „Nominalist“.%) Der psychologische
Weg der Begriffsbildung geht vom Einzelnen zum Allgemeinen; wir
werden uns der allgemeingültigen Relationen unmittelbar nur
an besonderen Beispielen bewusst, vermögen sie sodann aber aus
dieser Abhängigkeit loszulösen und selbständig herauszustellen.7)
So erfassen wir auch das „Denken“ nicht als einen universalen
Oberbegriff, der die mannigfachen und verschiedenen Arten und
„Modi“ des Bewusstseins in sich fasst und unter sich enthält,
sondern wir ergreifen es als eine „besondere Natur“, als einen konkreten
 und einzelnen Akt.) Nicht ein Produkt der „Abstraktion“,
sondern der Synthese ist es, das wir in ihm besitzen. Versuchen
wir das Bewusstsein nach Art eines logischen Gattungsbegrifls zu
definieren, so wäre das nur derart möglich, dass wir bestimmte
generische Merkmale, die sich in allen seinen Bestimmungen
wiederholen, absondern und zusammenfassen. In Wahrheit aber
besteht gerade hierin seine Eigenart: dass es als ein Inbegriff
solcher ruhenden und constanten Kigenschaften niemals bezriffen
 werden kann, dass es nur in seiner unmittelbaren Leistung
verstanden und festgehalten werden kann. Die Aktivität des
Denkens, nicht sein generisches „Sein“ ist es, die sich uns in dem
Fundamentalsatz enthüllt. Und Descartes kann es mit Recht als
den eigentlichen Vorzug seiner Lehre gegenüber der scholastischen
Ansicht bezeichnen, dass sie die verschiedenen „Vermögen“ des
Geistes nicht mehr zu ebensovielen „kleinen Wesenheiten“ hypostasiert,
 die in unserer Seele ihren Sitz und ihr selbständiges
Dasein haben.®) Die Anfänge seiner Psychologie sind, wie uns
hier wieder deutlich wird, von demselben Erkenntnisideal ge-‚enkt
 und bestimmt, aus dem die neue Physik hervorgegangen ist.
Und wie in der Meihodenlehre die Aufgabe entstand. von
            
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