Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Descartes.

Falle eine sichere Erkenntnis, wenn nicht vom Gegenstande,
so doch von der menschlichen Natur, von ihrer Bedingtheit
und Begrenzung, erlangen.®%) Von solcher kritischen Vorsicht ist
Descartes nunmehr weit entfernt. Dennoch ist der Weg, den er
zurückgelegt, für die Fortentwicklung der Philosophie und Wissenschaft
 nicht vergeblich gewesen. Das Ergebnis des methodischen
Zweifels, dass alle unsere Erkenntnis, soweit sie sich innerhalb
des Umkreises der Erfahrung und Wissenschaft hält, uns nur die
Gesetzlichkeit der Phaenomene erschliesst: dieses Ergebnis ist
nicht mehr rückgängig zu machen. Den Grund aber, dass Descartes
 selbst bei ihm nicht stehen zu bleiben vermochte, haben
wir in seiner eigenen Wissenschaftstheorie gefunden. Weil die
mathematischen Hypothesen und „Abstraktionen“ den vollen Gehalt
 der Wirklichkeit nicht ausschöpfen, weil sie in ihrer Anwendung
 immer nur angenäherte Gewissheit ergeben, sieht er
sich auf neue metaphysische Grundlagen hingewiesen. Der Absolutismus
 seines Wahrheitsbegriffs führt ihn zum Absolutismus
 des Seinsbegriffs: so ist auch hier, wo er die idealistische
Konsequenz seines Gedankens verfehlte. das idealistische Motiv
des Systems unverkennbar. —
Seine Bestätigung und Ergänzung erhält indes der ontolologische
 Beweisgrund bei Descartes erst durch eine andere Erwägung,
 die vom Begriff des Unendlichen ihren Ausgang
nimmt. Indem ich in mir die Idee Gottes als einer unendlichen,
allwissenden und unumschränkten Substanz vorfinde, erkenne
ich zugleich, dass ich selbst, als ein endliches und unvollkommenes
 Wesen, nicht ihr Schöpfer und Urbild sein kann. Das
wahrhafte „Original“, das alle Einzelzüge, die in der Vorstellung
gegeben sind, in wirklichem Sein enthält und umfasst, kann
nur jenseit des Bewusstseins zu suchen sein. Es ist zunächst der
Begriff des Selbstbewusstseins, der uns hier in neuer Wendung
 und Bedeutung entgegentritt. Unter dem „Denken“ durften
wir, nach den bisherigen Entwicklungen, einen Inbegriff reiner
Verknüpfungsformen verstehen, ein System von Prinzipien
and Operationen, durch die wir die Daten der Empfindung
umformen, um sie dadurch zum wahrhaften „Sein“ zu bestimmen.
Die Einheit des „Intellekts“, von der die Regeln ausgehen, war
mit der Einheit der Wissenschaft gleichbedeutend. Jetzt erst
            
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