Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Descartes.

In diese Schwierigkeit muss man sich innerlich versetzen,
um den weiteren Weg, den Descartes von hier aus einschlägt, zu
begreifen. Wenn unser Wissen sich nicht in leere Beziehungen
ohne realen Urgrund auflösen soll, so muss in ihm zum mindesten
ein Punkt gefunden werden, an dem die Gegensätze, die sich hier
gegenüberstehen, sich einen und ineinander aufgehen. Innerhalb
der Welt des Bewusstseins muss es eine Idee geben, die die Gewähr
 des objektiven Daseins ihres Inhalts unmittelbar in sich
selber trägt; ein Begriff muss gefunden werden, in dem Wesenheit
und Wirklichkeit, Essenz und Existenz untrennbar mit einander
verschmolzen sind. So ist es eine Grundfrage der Erkenntnis
selber, die uns zum Gottesbegriff hinleitet, in dem allein jene
Forderungen erfüllt sind. Die Idee des „allervollkommensten
Wesens“ schliesst das Sein dieses Wesens notwendig in sich; ist
doch das Sein selbst nichts anderes als eine Unterart der Vollkommenheit.
 Wie wir in dem Begriff des Dreiecks die zweifellose
Gewissheit besitzen, dass seine Winkel gleich zwei Rechten sind,
so lässt sich das Dasein Gottes unmittelbar aus seiner Vorstellung
ableiten: wie die Aufhebung des einen Urteils, so würde die des anderen
 das Bewusstsein eines inneren logischen Widerspruchs
in uns zurücklassen.?)
Mit diesen Sätzen sehen wir uns unmitielbar in die Scho-Lastik
 zurück versetzt. Betrachtet man nur die Aussprache und Formulierung
 des Gotiesbeweises, sieht man nur auf seinen direkten,
materialen Gehalt, so lässt sich in der Tat kein irgend erheblicher
 Unterschied zwischen den Sätzen Descartes’ und der herkömmlichen
 Gestalt des ontologischen Arguments seit Anselm von
Canterbury nachweisen.®) Ueber die sachliche Schlusskraft dieses
Argumentes aber braucht man, nach der Kritik der reinen Veraunft,
 kein Wort mehr zu verlieren. Dennoch ist es ein neues
{nteresse und eine veränderte Fragestellung, die Descartes zum
Gottesbegriff zurückführt, Wenn in der Scholastik der ontologische
 Beweis nur der Ausgangspunkt und das Mittel war, um
den Weg zum Dogma und zu den religiösen Heilswahrheiten zu
bahnen, so ist es hier die Realität der Körperwelt und ihrer
im manenten Gesetze, die im Mittelpunkt der Untersuchung steht:
aicht Gott, sondern die „Natur“ ist es, die zuletzt „bewiesen“ werden
soll. Welcher Weg war für Descartes zurückgeblieben. um sich
            
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