Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Der Begriff des Unendlichen. 
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hat das „Cogito“ jenen besonderen Sinn erhalten, der es mit dem 
Sein der individuellen, begrenzten und endlichen Substanz ver- 
knüpft. Jenes „Ich“, das den Gedanken des Unendlichen nicht 
als eigenes Erzeugnis begreifen, das in ihm nur noch die 
Nachwirkung und das Abzeichen einer höheren Macht zu er- 
blicken vermag, ist das empirische Selbst des Einzelnen. . Die 
allgemeine Funktion des Denkens steht an sich selbst ausser- 
halb des Gegensatzes von „Endlich“ und „Unendlich“: sie soll 
diesen Gegensatz, wie die übrigen Grundbegriffe, erst erschaffen 
und aus sich hervorgehen lassen. Um das Ich als eine einzelne, 
in ihrer Machtsphäre beschränkte Wesenheit zu denken, muss 
ich zuvor den Akt der Beziehung selbst vergegenständlichen und 
ihn als Ding unter Dingen betrachten. Ist aber dies.einmal ge- 
schehen, so lässt sich der weitere Schritt begreifen: für jeden In- 
halt und Akt der Vorstellung muss jetzt eine dingliche Ursache 
und Entsprechung gesucht, jede „objektive Realität“ des Bewusst- 
seins muss — wie die scholastische Formel lautet, die Descartes 
unverändert herübernimmt — auf eine „formale Realität“ des Seins 
zurückbezogen werden. Wenn Descartes sich für diesen Veber- 
gang auf das „Axiom“ der Kausalität beruft, wenn er in ihm 
den Quell und das alleinige Fundament für all unsere sinnliche 
wie übersinnliche Erkenntnis sieht: so scheint es, als habe er 
sich das Recht auf eine derartige Berufung in der Tat durch den 
Ausbau seiner Methode erwirkt. Denn in dieser wurde der Be- 
griff der Ursache in strenger Folge entwickelt und, ebenso wie 
der Begriff der Materie, als ein Gebilde der universellen Mathe- 
matik abgeleitet. In diesem Ursprung aber liegt zugleich eine Be- 
grenzung: seine Leistung erstreckt sich darauf, Zustände und Er- 
eignisse, die als Grössen bestimmt und vergleichbar sind, 
gesetzlich mit einander zu verknüpfen. In der Aufgabe indes, 
die dem Kausalprinzip jetzt gestellt ist, fehlt jede Möglichkeit einer 
derartigen Anknüpfung. Zwar versucht Descartes bezeichnender 
Weise auch hier, den Grössenbegriff wenigstens analogisch zur 
Geltung zu bringen: die „formale Realität“ der äusseren Ursache 
soll jedenfalls nicht geringer sein dürfen, als die Wirkung, die 
ihr in der Welt der Vorstellung entspricht. Indessen handelt es 
sich jetzt, wie man sieht, um eine blosse vage Vergleichung, die 
keine exakte Bewährung und keine Zurückführung auf einen ein-
	        
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