Platons Grundlegung der Erkenntnis.
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gungen ins Auge fasse und überhaupt „weit weniger nach der Art,
wie die Anschauungen und Begriffe in uns entstehen, als nach
der Geltung, die ihnen an sich zukommt“, frage, so zeigen diese
Sätze, die eine Sonderstellung Platons und der Antike beweisen
sollen, mittelbar den genauen Zusammenhang mit den Grund-
tendenzen der objektiven Erkenntniskritik. Auch das weitere
Kriterium der Unterscheidung, das aus der metaphysischen
Bedeutung der Ideenlehre entnommen wird, reicht hier nicht aus.
Denn geben wir selbst einmal zu, dass die Auffassung Zellers un-
angreifbar wäre, und dass somit die Ideen wirklich von Platon
zu metaphysischen Substanzen hypostasiert worden wären, so
bleibt doch das Faktum zweifellos und unerschütterlich bestehen,
dass Platon von der Begriffsbestimmung des Wissens seinen AuSs-
gangspunkt genommen. Nicht die nachträgliche Deutung, die
er etwa später der Ideenlehre gegeben hat, sondern ihr Grund
und ihr logischer Ursprung ist hier das Entscheidende. Sobald
die schlichte Frage: zi sotı emot%1n einmal erwacht und in ihrer
Bedeutung erkannt ist, ist damit — wie immer auch der Fort-
gang sich im Einzelnen gestalten mag — jenes „kritische Verhalten
zu unseren Vorstellungen“ gegeben, das Zeller der antiken Wissen-
schaft abspricht. . —
Nur die eingehendste Zergliederung der einzelnen geschicht-
lichen Erscheinungen vermöchte die Bedeutung, die dem Erkennt-
nisproblem, wenn nicht der Erkenntnistheorie, im Ganzen
der griechischen Spekulation zukommt, ans Licht zu stellen.
Hier müssen wir uns damit begnügen, einige typische Haupt-
phasen der Gesamtentwickelung, die sich für die neuere Zeit be-
sonders fruchtbar und wichtig erwiesen haben, herauszugreifen.
Sehen wir von der Jonischen Naturphilosophie ab, in der die
Betrachtung in der Tat noch völlig im Objekt und der Ent-
deckung seiner wesentlichen Beschaffenheit gebunden bleibt, so
zeigt uns alsbald die Pythagoräische Lehre, wie mit den ersten
Anfängen der exakten Wissenschaft zugleich ein tieferes reflexives
Selbstbewusstsein erwacht. Ein antiker Zeuge, dem wir in diesen
Fragen folgen dürfen, belehrt uns über diesen Zusammenhang.
In seinem Kommentar zum Euklid führt Proklus den Ursprung
der Geometrie auf Pythagoras zurück, weil dieser, während die
Früheren den allgemeinen Lehrsatz häufig nur an einzelnen sinn-