Descartes,
ein Gesichtspunkt und ein Verfahren, vermöge dessen wir schein-
bar verschiedenartige Inhalte auf einander beziehen und mit ein-
ander vergleichen. (S. ob. S. 390 ff.) Die „Meditationen“ halten in
ihren anfänglichen Entwicklungen durchaus an dieser Auffassung
lest: wie sie davon ausgehen, dass Sinn und Einbildungskraft ohne
Mitwirkung des „reinen Intellekts“ nicht möglich sind, so ist für sie,
wie sie mit klaren Worten aussprechen, die Körperwelt kein abso-
:uter Gegenstand, der sich von jeder Beziehung auf das Denken los-
ösen liesse. „Quand je distingue Ja cire d’avec ses formes exierieures
ot que, tout de meme que si je lui avais öte ses vetements, je la
sonsidere toute nue, il est certain que, bien qu'il se Puisse encore
rencontrer quelque erreur dans mon jugement, je ne la puis
ıcanmoins concevoir de cette sorte sans un esprit hu-
main“. Darüber also herrscht hier kein Zweifel, dass die Ent-
zegensetzung selbst, vermöge deren wir das wahrhafte und
sleichbleibende „Sein“ des Wachses von seinen zufälligen Be-
schaffenheiten absondern, im Bewusstsein allein ihren Halt
and ihre Bedeutung hat. Ein Grundgedanke der neueren Philo-
sophie, den wir bei Nikolaus von Kues entstehen sahen, begegnet
ans jetzt in neuer Fassung und Begründung: Anschauung und
Sinnesempfindung sind selbsteigene Mittel des Geistes, deren er
sich bedient, um auf einem scheinbaren Umwege zur tieferen Er-
kenntnis seiner Wesenheit durchzudringen. (S. ob. S. 60 fi.) Um
so unvermittelter ist der Uebergang, wenn später, um die „reale
Distinktion“ der denkenden Substanz vom Körper zu erweisen,
wiederum auf das Vermögen der „Imagination“ zurückgegriffen
wird. Zergliedere ich dieses Vermögen, so finde ich in ihm nichts
anderes, als „eine gewisse Hinwendung der Erkenntnistätigkeit
auf den Körper, der ihr innerlich gegenwärtig ist und der somit
— existiert“ (une certaine application de la faculte qui connoit
au corps qui lui est intimement present et partant qui existe). Es
kann nicht deutlicher als in diesen Worten zu Tage treten, dass
nier der blosse Akt der Beziehung auf ein äusseres Objekt in
ein unabhängiges Dasein umgedeutet wird: eine Wendung, die
aur möglich war, nachdem im Gottesbegriff der Unterschied
zwischen beiden Momenten bereits nivelliert und aufgehoben war.
Zwischen den beiden „Hälften“ des Seins aber, die sich jetzt
selbständig gegenübertreten, ist keine logische Vermittlung mehr